Folge 124 - Unternehmertum_ Wann ist ein Business ein Business_
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Aufforderung zur Interaktion und Fragenstellung
“Ich freue mich über alle Fragen, die ich bekomme auf meinen Plattformen und lade dich ein, dir deine zu stellen”
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Wann ist ein Business ein Business? Louis schreibt mir auf Wann ist man kein Startup mehr? Oder anders Wann ist ein Business auch wirklich ein Business? Und die Frage möchte ich sehr gerne beantworten, weil nachdem ich viele auch in der Startup Welt beschäftigt bin und immer wieder damit konfrontiert bin, was ist eigentlich der Unterschied zwischen Startup und Unternehmertum? Wann ist ein Business ein Business? Wann ist man kein Startup mehr?
Wann ist man der ganzen Sache entwachsen, Möchte ich gerne ein bisschen über meinen Blick der Dinge darauf sprechen. Die erste Sache, die wir natürlich einmal definieren müssen, Was ist ein Startup? Und ich weiß, es gibt viele Definitionen und ich möchte dir meine eigene dazu geben.
Ich habe das Gefühl, Start ups sind innovative Unternehmungen, die darauf abzielen, mit sehr raschem Wachstum einen Markt zu erobern und dabei nicht zwingend auf die Rentabilität im Heute achten, sondern darauf schauen, dass sie einen Markt erobern, der dann, wenn sie ihn einmal erobert haben, zu einem rentablen Geschäftsmodell werden kann. Das heißt, es ist gewissermaßen natürlich auch eine Wette auf die Zukunft und diese Wette auf die Zukunft wird mit Fremdkapital, mit Investorinnen und Investorenkapital finanziert. Das heißt, ein großer Unterschied von Start ups zu einem klassisch unternehmerischen Ansatz ist, dass die Frage der Rentabilität auf die Zukunft verschoben wird und dass die Frage der Rentabilität am Anfang kein Kriterium ist, sondern erst dann ein Kriterium ist, wenn die bestimmte Marktgröße, die anvisierte Marktgröße entsprechend erreicht worden ist und da unterschiedliche Effekte dann hineinkommen, Netzwerkeffekte, Skaleneffekte, unterschiedliche Dynamiken, die diese Rentabilität dann produzieren. Und wenn wir im klassischen Unternehmertum unterwegs sind, und damit gehe ich auch auf die Frage von Louis ein, der sagt, wann ist ein Startup kein Startup mehr, unter Anführungszeichen ein richtiges Unternehmen, wiewohl natürlich auch Start ups selbstverständlich Unternehmungen sind, dann ist mein Eindruck, dass es vor allem um eine Sache geht, nämlich ein Unternehmen oder ein Business hast du dann, wenn du ein Produkt oder Angebot geschaffen hast. Das kann natürlich auch eine Dienstleistung sein, für das es erstens Kundinnen und Kunden gibt, denen dieses Angebot Nutzen stiftet und die zweitens bereit sind, dafür zu bezahlen und zwar in einer Art und Weise, die es ermöglicht, die Bereitstellung dieses Angebots entsprechend auch kostendeckend, gewinnbringend zu finanzieren.
Und da kann man natürlich jetzt im letzten Punkt unterschiedliche Maßstäbe ansetzen, ob kostendeckend oder gewinnbringend. Ich sage schon, ein Business hast du dann, wenn du auch als Unternehmerin, als Unternehmer davon leben kannst. Viele Unternehmerinnen und Unternehmer lügen sich da ja ins Fäustchen, wenn sie sagen, sie haben ein Business, weil die zahlen sich oft selber nicht einmal Geschäftsführerinnen oder Geschäftsführergehälter aus und sind damit kostendeckend. Die Wahrheit ist aber, dass sie unter realen Marktbedingungen, wo ein Geschäftsführer, Geschäftsführerin auch ein Gehalt beziehen würde, nicht kostendeckend sind, also eigentlich Verluste produzieren würden und damit noch kein tragfähiges Geschäftsmodell haben. Das heißt, der entscheidende Knackpunkt, dass du wirklich sagen kannst, du hast ein lebensfähiges Business und nicht mehr oder weniger, sollte ja der Anspruch sein von dir, ist, dass du ein Produkt oder Angebot geschaffen hast, für das es erstens Kundinnen und Kunden gibt, denen dieses Produkt Nutzen stiftet. Das ist einmal der erste wichtige Punkt.
Viele ergehen sich da in ihren Visionen, produzieren Dinge, haben aber noch nicht wirklich Kundinnen und Kunden. Dann kann man auch nicht davon sprechen, dass sie Unternehmen oder gar ein Geschäftsmodell geschaffen hätten und dass du zweitens auch bei diesen Kundinnen und Kunden hast die Bereitschaft, für dieses Angebot zu bezahlen. Es gibt vieles, was du tun kannst auf der Welt, um Menschen Nutzen zu stiften.
Ich mache diesen Podcast hier. Ich weiß nicht, ob Menschen bereit wären, für diesen Podcast hier zu bezahlen. Vielleicht würden sie es tun, vielleicht würden sie es nicht.
Es ist jedenfalls nicht Teil meines Geschäftsmodells. Mein Podcast hier ist kein Business. Aber das ist der zweite entscheidende Punkt, dass Kunden und Kunden auch bereit sind, dafür zu bezahlen und du, und das ist sozusagen der dritte entscheidende Punkt, du am Ende damit auch in der Lage bist, die Aufwendungen, die für die Bereitstellung dieses Angebotes und auch deinen persönlichen Einsatz notwendig sind, diese Aufwendungen auch zu finanzieren.
Dann hast du ein Business und dann bist du ohne jeden Zweifel kein Startup mehr. Das heißt, es ist schon der Gedanke, dass Unternehmen natürlich die Aufgabe haben, Gewinn zu produzieren und ich gehöre nicht zu denen, die das verteufeln oder die um Gottes willen, Wahnsinn, Gewinn zu produzieren, das ist was Böses. Ich halte diese Debatte für unendlich verlogen.
Es sind die Unternehmen, die keinen Gewinn produziert haben in der Vergangenheit, die mit der Krise, die wir hatten und die wir haben, werden als erstes ins Strudeln kommen. Es ist also nichts Nobles dran, nicht Geld zu verdienen, keinen finanziellen Polster zu haben, keine Gewinne zu schreiben. Das sind die Unternehmen, die nicht stark und kräftig dastehen. Und das ist nichts Nobles. Das sind die ersten Arbeitsplätze, die abgebaut werden. Das sind die ersten Unternehmen, die fallen. Das sind die ersten Lieferanten, die ihr Geld nicht mehr bekommen, weil Zahlungsausfälle sind.
Es ist also nichts Nettes, keinen Gewinn zu machen. Und deswegen, ja, gehört ein Unternehmen, das ich nachhaltig betreiben will, gehört dazu, auch Gewinne zu machen. Natürlich gibt es Dinge wie Gemeinnützigkeit.
Es gibt sogar die gemeinnützige gmbh, aber dann sprechen wir nicht davon, dass wir ein Business haben, sondern dann reden wir davon, dass wir Gemeinnützigkeit betreiben nach unternehmerischen Prinzipien. Und ich finde das wunderbar und muss auch sagen, die meisten ngos, die ich kennengelernt habe über die Jahre, agieren ja nach unternehmerischen Prinzipien. Wir glauben immer, große ngos, da ist die Weltverbesserung alleine an der obersten Tagesordnung. Nein, ich sage euch eins, das sind harte Kalkulierer, da ist das Controlling in einer Form ausgeprägt, da schneiden manche die Ohren an.
Das heißt, unternehmerische Prinzipien sind natürlich auch in der Not for Profit Welt aktiv. Aber was ein Business zum Business macht, ist, dass du ein Produkt hast, für das es Kunden gibt, dass diese Kunden dafür bezahlen und dass du mit dieser Bezahlung auch die Bereitstellung des Produkts und deinen eigenen Lebensunterhalt, dein eigenes Fortkommen entsprechend finanzieren kannst. Und das soll dir ein Maßstab sein. Das sollte ein Maßstab sein, dass manche da draußen, die aktiv sind, hinten und vorn noch keinen Profit haben, aber gleichzeitig auch kein Geschäftsmodell gefunden haben, vielleicht dort eher ein Hobby oder Selbstverwirklichung betreiben und nicht wirklich ein Business betreiben. Ein Business ist erst dann, wenn sich die Rechnung am Ende des Tages ausgeht. Das ist das kaufmännische Prinzip, das hier dahinter ste Und Start ups verschieben diesen Checkpunkt in die Zukunft. Und das ist natürlich mehr als legitim, weil es natürlich viele innovative Geschäftsmodelle gibt, die nur in einer bestimmten Marktdimensionierung funktionieren. Wir erleben das ja die ganze Zeit zum Beispiel beim Thema Lieferdienste, die wachsen und wachsen und wachsen, die produzieren mit jeder Fahrt Verluste und jetzt kann man ja aber wenn es Ihnen irgendwann einmal gelingt, einen Euro pro Fahrt oder fünfzig Cent pro Fahrt Gewinn zu machen und Sie haben aber dann hunderte Millionen Fahrt am Tag, weil Sie in x Ländern aktiv sind, dann ist das plötzlich ein extrem interessantes und rentables Geschäftsmodell. Aber diese Wette kann erst dann eingelöst werden, wenn die Marktgröße stimmt.
Und genau das ist das Konzept von Startups und an dem ist natürlich nichts auszusetzen. Woran aber was auszusetzen ist, und das möchte ich hier in diesem Podcast auch wirklich postulieren, ist, wenn du dir als Unternehmerin, egal ob Startup, Unternehmerin oder Scale up oder im traditionellen Unternehmertum, wenn du dir in dieser Situation ins Fäustchen lügst, wenn du die Frage nicht klar und transparent beantwortest, wenn du in Wahrheit kein Geschäftsmodell hast, keine Zahlungsbereitschaft deiner Kunden, es sie hinter und vorne nicht ausgeht, aber auch im skalierten Markt es nicht anders wäre, dann hast du kein Business, dann hast du kein Geschäftsmodell, dann hast du aber auch kein Startup. Und ich glaube, genau diesen Punkt, den darfst du dir stellen und diesen Punkt musst du dich auch stellen.
Auch das ist Unternehmertum. Und darüber hinaus hoffe ich, dass ich dir mit dieser Differenzierung eine kleine Guideline gegeben habe. Was ist Startup, was ist der Schritt ins Unternehmertum?
Wann ist der Tipping Point und worum geht es am Ende des Tages? Das sind Leitlinien, die ich sehr, sehr gerne teile. Danke, Louis für die Frage.
Ich freue mich über alle Fragen, die ich bekomme auf meinen Plattformen und lade dich ein, dir deine zu stellen und sie dann auch mir zu stellen auf allen Plattformen, LinkedIn, Instagram, WhatsApp, Facebook. Schreib es mir an und vor allem das schalt nächste Woche wieder ein. Ich freue mich auf dich. Alles Liebe und bye bye.