Folge 184 - Führung_ Wie starte ich in eine neue Führungsaufgabe_
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Als neue Führungskraft zuerst zuhören statt Änderungen verkünden
Beim Start in eine neue Führungsaufgabe ist es entscheidend, zuerst zuzuhören und zu verstehen, anstatt sofort Änderungen zu verkünden oder Expertise zu demonstrieren. Neue Führungskräfte sollten Priorität darauf legen, Informationen und Einblicke von ihren Teammitgliedern zu sammeln, bevor sie neue Strategien implementieren. Dieser Ansatz fördert Vertrauen und ein tieferes Verständnis des bestehenden Umfelds.
“Nicht gescheit sein, nicht reingehen in die Aufgabe und gleich von vornherein groß posaunen, was jetzt alles anders wird, sondern in allererster Linie mal die Lauscher aufspannen.”
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Wie starte ich in eine neue Führungsaufgabe? Ja, ich habe wieder zwei Fragen bekommen aus meiner Community von der Barbara und der Birgit, die in die gleiche Richtung stoßen. Es geht um die Wie starte ich in eine neue Führungsaufgabe? Die Barbara schreibt, sie fangt demnächst als Führungskraft an und fragt sie, welche Tipps es für Neulinge gibt, damit man effizient und erfolgreich startet.
Die Birgit überlegt, sie für eine Stelle in der Geschäftsleitung zu bewerben und sagt aber sie hat kein Führungserfahrung, sie hat fachliche Erfahrung, aber die Führungsaufgabe wäre neu und wie man das auch wirklich anlegt. Und ich möchte sehr gerne was dazu sagen, weil es natürlich für alle relevant ist, dir ein neues Team übernehmen. Also es geht gar nicht nur darum, ob du neu jetzt überhaupt in deiner Führungsrolle bist, sondern jedes Mal, wenn du in ein neues Unternehmen kommst, ein neues Team übernimmst. Ich würde fast sagen, selbst wenn du ein neues Projekt mit neuen Menschen startest, ist diese Frage relevant.
Und ich möchte ein paar Dinge dazu sagen. Das erste ist, würde ich mal sagen, die Grundlage, das Wichtigste. Du gehst mit der Erkenntnis rein, dass Führen und die Führungsaufgaben, was komplett anderes ist als dein bisheriger Job bisher als Fachkraft war deine Aufgabe, dich um großartige Ergebnisse zu kümmern. Als Führungskraft hast du die Aufgabe, dich um Menschen zu kümmern, die sich wiederum um großartige Ergebnisse kümmern. Das heißt, dein Fokus wechselt. Und deswegen ist mein erster und wichtigster Rat an alle, die neu in der Führungsaufgabe starten. Nicht gescheit sein, nicht reingehen in die Aufgabe und gleich von vornherein groß posaunen, was jetzt alles anders wird, sondern in allererster Linie mal die Lauscher aufspannen. Ich glaube, jede Führungskraft tut gut daran, wenn du in eine neue Rolle kommst, ein neues Team übernimmst.
Du verschaffst einmal einen Überblick, du hörst den Menschen zu, du fängst an, mit den Leuten zu reden, in kleinen Gruppen, in Einzelgesprächen bin ich ein großer Fan davon. Du hörst einmal an, wie sie aktuell ihren Job machen, was aus ihrer Sicht gut läuft, was aus ihrer Sicht weniger gut läuft, was sie glauben, dass man vielleicht anpacken könnte, wo Potenziale sind, was schon ausprobiert wurde. Also du versuchst wirklich einmal das Ganze vom Boden weg aufzuarbeiten und führst Gespräche auch in Meetings.
Du hörst zu. Du vertraust am Anfang natürlich einmal auf die Einschätzung der Menschen, mit denen du es da zu tun hast, weil du es ja noch nicht besser wissen kannst. Das heißt, die erste Phase widmet sich wirklich dem Zuhören, um zu verstehen. Du willst das Betriebssystem der Einheit, die du führst, ob das Unternehmen, das Team, das Projekt. Du willst das Betriebssystem vom Scheitel bis zur Sohle verstehen. Du willst dir ein Bild machen. Das heißt, die erste Phase ist extrem geprägt von Zuhören, was du sofort tun kannst.
Und das ist der zweite Punkt ist, du kannst unmittelbar in einem Team damit beginnen, sehr klar und transparent zu sein, was deine Werte angeht, die dir wichtig sind. Eine Aufgabe von Führungskräften ist es, für die Einhaltung von Werten zu sorgen und sicheren Rahmen für Team zu schaffen, auf den sich verlassen kann. Und es hat natürlich auch mit den Werten der Führungskraft und auch des Unternehmens zu tun. Das heißt, du wirst dir natürlich anschauen, was sind die Werte des Unternehmens und hast dir das natürlich im besten Fall schon angeschaut, um zu schauen, ob du dort auch hinpasst und du das auch vertrittst.
Und dann kannst du unmittelbar, wenn du beginnst in einer neichen Führungsaufgabe, sehr wohl mit dem Etablieren von Werten beginnen. Du könntest Dinge sagen, ich freue mich sehr auf diese Führungsaufgabe und fühle mich unglaublich geehrt, so ein herausragendes Team anzuführen und werde die nächsten Wochen und Monate dazu nutzen, mir einen Überblick zu verschaffen. Ich möchte mit jedem und jeder einzelne von euch hier sprechen, weil ich weiß, dass ihr unglaublich viel Erfahrung gebunkert habt und diese Erfahrung möchte ich aufsaugen.
Ich möchte wissen, was hat schon funktioniert, was habt ihr schon probiert. Ich bin nicht da, weil ich die Weisheit mit dem Löffel gefressen habe oder das Rad neu erfinden möchte. Ich möchte das mit einbeziehen, was ihr schon an Erfahrung gesammelt habt.
Und dann wirst du Dinge sagen. Was mir auf diesem Weg sehr wichtig ist, ist, dass wir uns auf ein gemeinsames Werteverständnis und der Zusammenarbeit committen. Es gibt ein paar Dinge, die sind mir in meinem Leben und in meinem Arbeiten besonders wichtig. Und dann wirst du deine drei, vier, fünf zentralen Werte sagen. Lassen wir es einmal bei drei.
Vielleicht ist dir respektvoller Umgang wichtig. Vielleicht ist dir eine klare Ergebnisorientierung wichtig. Vielleicht ist es dir wichtig, dass man mit wirklich einer positiven Leidenschaft bei der Sache ist, was auch immer es ist. Du wirst die Dinge artikulieren, wirst sagen, warum dir das wichtig ist und wie sich das auch im täglichen äußert und wirst ankündigen, dass du darauf achten wirst, dass diese Werte auch in der Zusammenarbeit gewahrt bleiben. Das heißt, du kannst am Anfang schon sehr wohl artikulieren, was wird dir wichtig sein in der Zusammenarbeit.
Dazu brauchst nichts erforschen, dazu brauchst nichts erfragen, sondern Werte werden von der Führung festgelegt und dann nutzt du diese erste Phase, je nach Komplexität deines Teams von Wochen oder Monaten dafür, um einerseits zuzuhören, um zu verstehen, den Betrieb zu verstehen, in alle Äderchen vorzudringen und alles zu durchleuchten und auf der anderen Seite deine Werte zu etablieren. Und irgendwann wird der Moment da sein, wo du dir einen Überblick verschafft hast und dann kannst du einen Schritt weitergehen und kannst Ziele artikulieren. Und das wäre der dritte Punkt, den ich dir mitgeben will. Also zuhören auf der einen Seite, Werte etablieren auf der zweiten Seite und Ziele etablieren auf der dritten Seite. Das heißt, du hast dann die Möglichkeit zu sagen, ich habe mir jetzt vieles angehört und angeschaut und mir ein Bild gemacht und das ist die Richtung, in die wir jetzt marschieren werden. Das ist das, wo ich glaube, dass wir als Team hin müssen. Das wollen wir erreichen. Ich glaube, das wird die beste Strategie sein. Ich möchte die genauen Maßnahmen und Taktiken jetzt auch gern mit euch wieder diskutieren oder von euch dazu Vorschläge haben.
Also das heißt, du wirst ein Ziel etablieren für dein Team und dann hast du aus meiner Sicht einmal die Grundlagen gelegt und danach kommt, und das ist mein one more thing für dich, mein Plus Eins. Danach kommt das, was wirklich das tägliche Führungsbrot ist. Ich nenne das Redirect. Redirect, das ist für mich die kleinste Einheit von Führung, das Atom, wenn du so willst, der Führungslehre. Ein Redirect ist die kleinste Einheit für mich, in der man Führung messen kann. Und das heißt, du wirst jeden Tag und jede Interaktion und jede Begegnung und jedes Meeting dazu nutzen, um zu überprüfen, ob ihr im Bereich Werte und Ziele, also Ziele, damit auch Ergebnisse am richtigen Weg seid. Und wenn dir was auffällt, dann wirst du das redirecten, also korrigieren durch eine kleine Intervention, indem du sagst, das ist nicht ausreichend für mich, ich will, dass das besser geht.
Du wirst sagen, du weißt, mir ist dieser Wert wichtig und es fällt mir auf, dass du da Aufholbedarf hast und ich möchte, dass du dir das zu Herzen nimmst und übst. Du wirst jeden Tag die Gelegenheit nutzen, dieses Team weiter zu formen in jeder einzelnen Interakt Meeting, jedem Format. Das ist ein never ending story in der Führung.
Aber wenn du mich fragst, was sind die Dinge, auf die ich achten würde, wenn ich in eine neue Führungsaufgabe reingehe, dann wären es ganz klar die drei Ich würde zuhören, um zu verstehen, ich würde meine Werte etablieren und darauf achten, dass die eingehalten werden und sobald ein Überblick hab, würde ich die Ziele artikulieren, eine Vision artikulieren und dann gemeinsam mit dem Team durchaus den Weg dorthin entwickeln. Also da das Team auch mit einbeziehen und du merkst schon, all das, was ich jetzt gerade gesagt habe, hat überhaupt nichts zu tun mit irgendeiner fachlichen Qualifikation. Im Gegenteil, ich glaube sogar, dass man manchmal die besseren Chefs sind, wenn wir von der Fachlichkeit keine Ahnung haben.
Also ich habe das Gefühl, bin in meiner Softwarefirma ein deutlich besserer Chef, als ich das jemals in meiner Agentur war, weil vom Agenturgeschäft und vom Marketing und Kommunikations und Beratungsgeschäft habe ich immer das Gefühl gehabt, ich hab was verstanden, von Softwareentwicklung verstehe ich überhaupt nichts. Das heißt, ich kann dort nur führen, indem ich einerseits durch Fragen versuche zu verstehen, indem ich schau, dass die richtigen Werte gewahrt werden und auch die richtigen Menschen an Bord sind, die diese Werte waren und dass ich die richtigen Ziele vorgebe. Recht viel mehr kann ich da nicht machen. Und deswegen glaube ich, deine Fachkraftqualifikation kann dir einen Vorsprung bescheren, weil du vielleicht schneller verstehst, aber sie ist auch gefährlich, weil es sein kann, dass du irgendwo vorgefestigte Meinungen hast oder verblendet bist. Also ich glaube wirklich fachliche Qualifikation ist für Führungsverantwortung und erfolgreiches Führen nicht wirklich der entscheidende Punkt, sondern Menschenqualifikation ist der entscheidende Zeitpunkt und der entscheidende Knackpunkt. Und das lernen wir durchs tägliche Praktizieren und deswegen werden das meine drei Schritte hinein und ich hoffe, das ist dir eine Hilfe, wenn du neu in eine Führungsaufgabe gehst.
Aber vielleicht, wenn du schon mittendrin bist, überprüfe, ob du das gemacht hast und wenn nicht, dann hol es nach. Es ist nie zu spät. Es würde mich sehr freuen, wenn du mir teilhaben lässt an deinem Feedback, an deinen Erfahrungen, wie es für dich klappt und natürlich auch, wenn du nächste Woche wieder einschaltest, hier bei Business Gladiators Unplugged.
Mein Name ist Philipp Maab und ich freue mich auf dich. Alles Liebe und bye bye.