Folge 46 - Brauche ich noch ein Büro?
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Brauchen wir überhaupt noch Büros?
Angesichts des Aufstiegs von Homeoffice als "neues Büro" wird die grundlegende Notwendigkeit physischer Büroräume in Frage gestellt. Es wird diskutiert, ob Unternehmen ihre Mitarbeiter dauerhaft im Homeoffice belassen können und Büros somit obsolet werden.
“Home Office, das neue Office, brauchen wir überhaupt noch Büros?”
segmentQuellmaterial (21)
Brauchst du wirklich noch ein neues Büro? Ist es nicht völlig überflüssig? Das haben mich wohlmeinende Wegbegleiter gefragt, als ich ihnen eröffnet habe, dass ich zwei tausend ein und zwanzig mit meinem Unternehmen in ein neues, dreimal so großes, fantastisch ausgestattetes Büro ziehen werde, um unsere nächsten Wachstumsschritte auch entsprechend mit Raum und Kapazität zu belegen. Und die Skepsis, die mir entgegengeschlagen ist, war doch sehr groß.
Einmal mehr natürlich, weil in Corona Zeiten diese Debatte heiß geführt ist. Home Office, das neue Office, brauchen wir überhaupt noch Büros? Und ich kann selber diese Debatte sehr leidenschaftlich führen und muss gestehen, ich komme aus einer Ecke, die immer sehr Home Office skeptisch war. Ich habe immer gerne mein Team um mich gehabt, gerne auch den vibrierenden Geschäftsbetrieb gespürt und habe die Erfahrung gemacht in dieser Corona Zeit, dass es wirklich herausragend funktioniert, dass die Kollaboration funktioniert, dass die Effizienz unglaublich ist, dass der Einsatz unseres Teams fantastisch ist, was vor allem auch wirklich unserem Team geschuldet ist, die allesamt wirklich hier großartig am Werk sind. Also ich bin begeistert, wie es funktioniert und trotzdem gehöre ich nicht zu jenen, die davon überzeugt sind, dass sich dieses Betriebssystem, wenn ich es so nennen darf, dieses Betriebssystem Homeoffice, dass sich dieses System gänzlich und dauerhaft vollumfänglich durchsetzen wird.
Die Debatte ist vor allem losgetreten aus den USA, wo wir viele Unternehmen sehen, die jetzt schon angekündigt haben, ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dauerhaft im Homeoffice zu belassen und sie werden dafür gefeiert, weil sie jetzt so innovativ sind und so weit nach vorne denken, dass diese Unternehmen vielleicht nur eine gute Gelegenheit gesehen haben, den Sparstift anzusetzen und gehörig bei Mieten und Ressourcen einzusparen. Das wird weniger beleuchtet, steht aber auf einem anderen Blatt Papier. Und natürlich haben wir gerade auch in den USA oft Unternehmen, wo Mitarbeiter unglaublich lange Pendlerwege in Anspruch nehmen. Auch in Österreich, Deutschland und der Schweiz ist das natürlich dort oder da der Fall. Aber in den USA ist das besonders extrem ausgeprägt und da sieht man natürlich einen Zeitgewinn und Effizienzgewinn, das ist keine Frage.
Ich bin aber dennoch nicht davon überzeugt, dass sich Homeoffice als das über alles Betriebssystem für Unternehmen durchsetzen wird und damit das Büro ablösen wird. Ich möchte ein paar Gründe dafür nennen, warum ich davon überzeugt bin, dass das eben nicht der Fall sein wird. Das eine Ich sehe doch auch in meinem eigenen Unternehmen, dass die aktuelle Effizienz des Betriebssystems Homeoffice sehr davon lebt, dass alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gerade auf diesem Betriebssystem laufen. Es herrscht also Gleichheit. Wir treffen uns alle in Videokonferenzen, wir kollaborieren alle über Slack. Ab dem Zeitpunkt, wo diese Gleichheit im Betriebssystem nicht mehr vorhanden ist, Wenn also Teile der Mannschaft oder ein Großteil der Mannschaft wieder ins Büro zurückkehrt und nur einzelne Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf Homeoffice zurückgreifen, wird diese Gleichheit nicht mehr da sein.
Und dann passieren genau die Situationen, die wir ja aus vielen Settings schon davor kennen. Es sitzt ein Mitarbeiter, eine Mitarbeiterin, ganz einsam und arm über einen Laptop zugeschaltet am Ende des Meetingtischs und ist gefühlt irgendwie nicht dabei. Ist natürlich funktional dabei, kann was sagen, kann alles hören, kann beitragen. Also rein funktional betrachtet natürlich Teil des Meetings. Aber ist diese Person wirklich dabei?
Und auch wir investieren natürlich jetzt in bessere Technologien, um diese Videokonferenzen auch qualitativ hochwertiger durchzuführen. Und dann ist diese Person eben nicht mehr am Laptop, sondern über einen Screen zugeschaltet und die Kameras im Raum machen das entsprechend besser. Aber es wird trotzdem einen Unterschied bedeuten, ein gemischtes Meeting durchzuführen versus einem Meeting, das ausschließlich alle Teilnehmer über Videokonferenz hereinholt.
Das heißt, ich glaube, die fehlende Betriebssystemgleichheit nimmt dem Konzept Homeoffice auch wieder etwas von seiner Stärke. Insofern ist es auch wieder nur Konsequenz zu Alle Mitarbeiter bleiben dauerhaft im Homeoffice. Warum das nicht die Weisheit ist oder die ultimative Weisheit ist oder ich nicht daran glaube, möchte ich auch gleich begründen.
Das ist der zweite Punkt für mich. Wir reden die letzten Jahre unendlich viel über New Work. Wir reden über New Work.
Wir reden darüber, was man braucht, um sein volles Potenzial am Arbeitsplatz zu entfalten. Wir brauchen unterschiedlichste Möglichkeiten zu arbeiten, im Sitzen, im Stehen, kreatives Kollaborieren, informelle Abstimmung, Coziness. Wir brauchen die soziale Komponente. Wir brauchen unterschiedlichste Formen, die hier das Arbeiten möglich machen soll.
Und da haben wir uns jetzt wirklich jahrelang vertieft und gesagt, was Offices auch leisten müssen und und plötzlich sagen Homeoffice ist doch toll. Und der kleine Schreibtisch mit wahrscheinlich achtzig zentimeter mal vierzig, mit dem durchschnittlichen Stuhl, auf dem ich zu Hause sitze, mit der nicht ganz idealen Office Beleuchtung, tut es doch auch. Und das halte ich ehrlich gesagt, ich formuliere es freundlich für widersprüchlich.
Das kann man sagen. Natürlich, viele haben zu Hause vielleicht ein eigenes Büro eingerichtet, aber ganz ehrlich, das ist doch die Minderheit. Die Mehrheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat zu Hause nicht die Priorität für einen qualitativ guten Arbeitsplatz. Die Priorität gilt dort anderen der Erholung, der gemütlichen Ecke im Wohnzimmer, aber doch nicht dem anständig großen Schreibtisch mit der perfekten Office Beleuchtung, die auch hier für das perfekte Licht sorgt und den ergonomisch geformten Schreibtischstuhl. Das ist nicht die Situation, die wir zu Hause vorfinden.
Was ist jetzt richtig? Ist es New Work oder ist es das Homeoffice zu Hause? Das auch reicht. Und ich bin davon überzeugt, der New Work Trend war nicht so dumm. Das ist ganz vernünftig, dass wir als Unternehmer auch Raum schaffen müssen für Abwechslung, wo Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf unterschiedlichste Weise ihren Arbeitsalltag gestalten können. Das heißt, New Work ist für mich ein weiterer Grund, der ein Grund ist, warum Offices nicht ausgedient haben.
Voraussetzung ist natürlich, dass du in deinem Büro auch diese Möglichkeit für New Work schaffst. Ich habe viele Unternehmen erlebt, die nach wie vor sehr traditionelle Bürokonzepte verfolgen, wo Schreibtischboxen aneinandergereiht sind. Keine Möglichkeit für informellen Austausch, keine Möglichkeit für Kreativkollaboration, keine Möglichkeit für Meetings im Stehen, keine Möglichkeit für Füße vertreten.
Ja, das ist zu tun. Ich glaube, dass die Anforderungen, die Qualität von Büros steigen wird. Wenn das der Fall ist, dann haben Büros selbstverständlich nicht ihre Existenzberechtigung verloren.
Der dritte Grund, warum ich den Hype für übertrieben halte Menschen sind soziale Wesen. Menschen sind soziale Wesen, die sich gerne unter Gleichgesinnten bewegen und Menschen sind soziale Wesen, die auch gerne den Austausch suchen. Ich kann dir eines Es ist jedes Jahr für mich einer der schönsten Momente, am Anfang eines Jahres oder nach der Haupturlaubszeit im Sommer wieder ins Büro zurückzukommen und zu sehen, die Freude, mit der hier Menschen zurückkommen aus dem Urlaub. Es fühlt sich an wie Schulanfang, wo Menschen wirklich sich um die Arme fallen und sich freuen, dass sie wieder da sind.
Der Moment ist uns heuer in Corona Zeiten leider genommen worden durch Home Office. Und ich weiß aber, dass das etwas ist, was für unser Team enorme Bedeutung hat, dass wir ein Team haben, das gerne zusammen ist. Das setzt natürlich voraus, dass du ein Teamklima geschaffen hast, wo Menschen sich auch gerne mögen. Wenn Menschen da am Werk sind, die sich gerne aus dem Weg gehen und sich nicht über den Weg trauen und sich nicht riechen können, dann verstehe ich, dass sie gerne im Homeoffice bleiben. Dann ist das eine gute Gelegenheit, die Menschen nicht zu sehen, die man nicht sehen möchte. Aber das ist ja dann nicht die Wurzel des Problems. Die Wurzel des Problems ist dann, dass du ein anderes Teamklima schaffen musst.
Das sind für mich also drei Gründe, warum ich glaube, dass Homeoffice als generelle Lösung, als Ablösekonzept für das Office sich nicht durchsetzen wird. Vor allem aber, und das ist mein proaktives Argument, ich bin davon überzeugt, es braucht Büros als lebendige Plätze, um Unternehmenskultur zu gestalten, zu gestalten, zu fördern, zu unterstützen, zu formen. Unternehmenskultur ist aus meiner Sicht das zentrale Asset für Unternehmen in einer neuen Zeit. Unternehmenskultur wird die Make or Break Entscheidung sein, ob du morgen noch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gewinnst oder nicht. Und diejenigen Unternehmen, die eine tragfähige, solide und energiegeladene Kultur geschaffen haben, die sind auch jetzt in der Home Office Remote Zeit gut durchgekommen, da die Stimmung geklappt, da waren die Videoscreens nicht auf schwarz geschaltet, da waren keine latenten Aggressionen über Videokonferenz spürbar. Und diejenigen, wo die Stimmung vorher schon schlecht war, die haben jetzt gemerkt, dass es gut wäre, hier zu investieren, dass es gut wäre, da was aufzubauen.
Und um hier was aufzubauen, braucht es auch das physische Miteinander. Da braucht es diesen Tummelplatzbüro, wo auch soziales Miteinander stattfinden kann, wo Führung im Realen stattfinden kann, wo ein Gespräch von Mensch zu Men Auge in Auge stattfinden kann. Ich bin davon überzeugt, dass das Büro, das physische Büro der Platz ist, wo Unternehmenskultur geschaffen und geformt wird.
Leben lässt sich diese Kultur natürlich auch remote. Geschaffen wird sie aus meiner Sicht an physischen Plätzen im echten Miteinander von Mensch zu Mensch. Ich hoffe, diese Ausgabe war für dich eine Inspiration, ein Blick in meine Gedankenwelt zum Thema Office und Home Office in einer sicherlich aktuellen Debatte.
Ich nehme hier nicht für mich in Anspruch, richtig zu legen. Ich habe keine Ahnung, ganz ehrlich, niemand hat eine Ahnung. Aber ich erzähle dir, was der Maßstab ist, den ich für mich anlege und den ich auch im Alltag probiere und in den letzten Jahren praktiziert habe. Und der Maßstab führt mich dazu, dass ich aus tiefster Überzeugung einen wirklich hohen Geldbetrag in unser aktuelles Büro investiere, um es zum besten Büro der Welt zu machen.
Ich werde dir davon berichten und ich werde wahrscheinlich, wenn du Lust hast, auch mit dir mal das eine oder andere Foto teilen und werde dich daran teilhaben lassen. Bis jetzt freue ich mich mal, wenn du nächste Woche wieder einschaltest bei Business Gladiators Unplugged. Ich freue mich, wenn du dabei bist. Bis dann, alles Liebe.