Folge 71 - Was ist die elementarste Form von Führung?
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Analogie: Der Gemüsekistenmanager
Professor Doktor Manfred Winterheller beschreibt in seinem Buch den "Gemüsekistenmanager" als eine Führungskraft, die für einen Supermarkt verantwortlich ist, sich aber primär damit beschäftigt, Gemüsekisten geometrisch korrekt auszurichten. Diese Analogie verdeutlicht, wie Führungskräfte sich in unwichtigen Details verlieren, anstatt sich um strategische Aufgaben oder die Entwicklung ihres Teams zu kümmern.
“Prof. Doktor Manfred Winterheller nennt es in seinem Buch Der Kontinuum basierenden Führung den sogenannten Gemüsekistenmanager, der Manager, der verantwortlich ist für einen Supermarkt, aber sie primär damit beschäftigt, die Gemüsekisten in geometrischer Form korrekt auszurichten.”
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Was ist die elementarste Form von Führung? Heute geht es ums Thema Führung bei Business Gladiators unplugged. Willkommen, schön, dass du dabei bist. Das Führungsthema könnte ich leidenschaftlichst besprechen hier und deswegen tue ich es auch immer wieder.
Ich hatte gerade vor kurzem die Möglichkeit, mit einer Gruppe von wirklich tollen, beeindruckenden Führungskräften wieder über das Führungsthema zu diskutieren. Wir sind dort draufgekommen, dass es faszinierend ist, weil wir, wenn wir auf Führung draufschauen und schauen, wie wir Führung in den Unternehmen erleben, eigentlich zwei Extreme. In den meisten Fällen erleben zwei Extreme von Zugängen in der Führung.
Das eine Extrem ist wohl bekannter aus meiner Sicht als Micromanager. Das sind die Führungskräfte, die herzhaft zugreifen bei jeder Aufgabe, die ein Mitarbeiterin, ein Mitarbeiter gerade dabei ist, selbst zu erledigen. Es braucht nur jemand die Hand heben und bin mir nicht sicher oder ich weiß hier nicht weiter und schon greift der gelernte Micromanager zu, nimmt das Problem in die eigenen Hände und löst es selbst. Fühlt sich dabei natürlich nur unglaublich wichtig und bedeutsam, weil er oder sie arbeitet ja so viel und leistet so einen wertvollen Beitrag und fühlt sich dann unglaublich wichtig und hilfreich. Dabei ist es natürlich genau die Person, die einem Mitarbeiter, einer Mitarbeiterin jede Wachstumschance nimmt, jede Chance nimmt, selber was zu lernen, über sich hinauszuwachsen. Prof. Doktor Manfred Winterheller nennt es in seinem Buch Der Kontinuum basierenden Führung den sogenannten Gemüsekistenmanager, der Manager, der verantwortlich ist für einen Supermarkt, aber sie primär damit beschäftigt, die Gemüsekisten in geometrischer Form korrekt auszurichten. Das Beispiel zeigt sehr schön, wie populär das ist, weil das sind dann Führungskräfte, die finden wir dann so beeindruckend, weil sie so bodenständig sind und die wissen halt noch, was echte Arbeit bedeutet und die sind dann so verbunden mittendrin im Geschäft und das würdigen wir dann. Und wir sehen aber nicht, dass diese Führungskraft vielleicht statt Gemüsekisten zu schlichten eigentlich besser ihren Job machen könnte, nämlich sie um das Team zu kümmern, die besten Rahmenbedingungen zu schaffen, die Organisation zu verbessern, die Abläufe zu optimieren. Also es gibt ja allerhand Aufgaben für eine Führungskraft, denen sich die Führungskraft nicht widmet, wenn sie sich in den Fachaufgaben vertieft.
Das heißt, das eine Extrem, das wir erleben, ist der Micromanager, die Micromanagerin. Das andere Extrem ist ganz lustig, das ich auch immer wieder sehe, das sind Führungskräfte, die Führung für eine überflüssige Randerscheinung halten, für etwas, was eigentlich nicht brauchen sollte, weil sie fest davon überzeugt sind, dass Menschen ja selber wissen, was sie zu tun haben. Das heißt, sie haben dieses Idealbild vom mündigen und befähigten Mitarbeiter, der eigentlich keine Hilfe braucht, keine Unterstützung braucht, immer weiß, was er zu tun hat und sich auch selber pushen und entwickeln kann. Das sind meistens Menschen, die oft selber sehr auf sich alleine gestellt werden und deswegen Führung als ein überflüssiges Instrument erachten. Das heißt, das eine Extrem, der Micromanager reißt den Mitarbeitern alles aus der Hand.
Und der andere Extrem, ich nenne diese Manager gern in ihrem Stil, Management Buy im Stich lassen, sagt eigentlich kümmert euch um alles selber, ich habe keine Zeit für Führung, ich habe ja selber einen Job zu erledigen. Sie verstehen sich also eigentlich nicht verantwortlich für die Gruppe, sondern ich weiß nicht, offenbar irgendwie in irgendeiner Form in übergeordneter Verantwortung, ohne Zuständigkeit für das Team. Beide Extreme von Führung bringen Unternehmen nicht weiter.
Und ich habe dann mit dieser Gruppe, die ich vorhin angesprochen habe, die Frage diskutiert, aber wo findet denn eigentlich die elementarste Form von Führung dann statt? Also was ist eigentlich Führung? Wo findet Führung in ihrer elementarsten Form statt?
Und die Antwort ist genau dazwischen. Und dazwischen liegt nicht, wie man jetzt vielleicht vermuten könnte, das jährliche oder quartalsmäßige Mitarbeiterinnen und Mitarbeitergespräch, wo man dann immer ganz beklemmt über Dinge diskutiert, die schon ewig lange her sind, sondern dazwischen liegt aus meiner Sicht das, was ich eben für mich als elementarstes Teilchen, als das Atom der Führung, wenn du so willst, identifiziert habe. Das ist ein Redirect, also eine Korrektur. Ein Redirect ist für mich die kleinste Maßeinheit von Führung. So wie du jetzt Fleisch in Kilogramm bemisst, kannst du Führung in ihrer Maßeinheit in Redirects zum Beispiel messen, weil Führung am Ende nichts anderes ist, als immer wieder korrigierend oder eben bestärkend und bekräftigend einzugreifen.
Ich habe das verglichen mit der Metapher, dass Führungskräfte so was sind wie Steuermänner und Steuerfrauen auf hoher See, die aber eben nicht selber am Lenkrad stehen, sondern das sind diejenigen, die hoch am Masten oben vielleicht stehen mit Aussicht auf den Horizont und deswegen genau sehen, was kommt auf uns zu? Wo sind die Eisberge? Wo sind vielleicht die Felsen und die Klippen, die wir umschiffen müssen und die dann denen, die am Steuerrad stehen und denen, die im Maschinenraum dafür sorgen, dass da ordentlich aufgeheizt wird, entsprechend auch Kommandos und Korrektur geben oder eben Bekräftigung geben. Und da gibt es gar nicht so viele Möglichkeiten eigentlich in der Führung. Du kannst eigentlich nur sagen, ein bisschen nach links, ein bisschen nach rechts, weiter so beschleunigen, langsamer. Das sind eigentlich die einzigen Manöveranweisungen unter Anführungszeichen, die wir geben können. Und genauso ist es auch in der Führung. Wir können Das war ein bisschen zu viel oder es war ein bisschen zu wenig. Weiter so bleib drauf genau auf der Spur beschleunigen oder bisschen runter vom Gas bitte. Das ist zu viel Intensität gewesen.
Und genau das ist was, was ich als Redirect bezeichne, wo du wirklich mit einer Mitarbeiterin, Mitarbeiter einer Mitarbeiterin einfach zwischen Tür und Angel kurz eincheckst und Es geht um ein Dokument und du es taugt mir extrem weiter so. Oder du sagst ich habe das Dokument gelesen, mir ist es zu lang, ich bitte das ein bisschen konkreter zu machen und zu verdichten. Mir gefällt nicht, das Dokument ist schlampig, du hast nicht Korrektur gelesen, Ich erwarte mir hier mehr Genauigkeit von dir.
Also einfach diese kurzen Interventionen, die nicht nur sich fachlich ausrichten, sondern auch natürlich auf die Werte ausrichten, wo ich jemandem Du das hat mir jetzt nicht getaugt. Ich habe das als respektlos empfunden. Ich möchte nicht, dass du so mit mir sprichst oder dass du so mit deinem Kollegen sprichst, deiner Kollegin sprichst.
Also diese kurzen Interventionen nenne ich Redirects. Ein Redirect ist für mich eine Maßeinheit im Thema Führung. Und mit diesen Redirects versuchen wir ein Schiff von hoher See in den Hafen zu bringen, ans Ziel zu bringen.
Und dabei sind wir natürlich konfrontiert mit äußeren Rahmenbedingungen. Wir haben nicht immer alles unter Kontrolle, wie auf hoher See. Du nicht den Wellengang unter Kontrolle hast, das Wetter unter Kontrolle hast, ob es stürmisch ist, ob der Wind dir in den Rücken bläst oder ins Gesicht bläst, ob die See rau ist.
Das hast du nicht in der Hand. Das hast du auch im Unternehmen nicht in der Hand. Aber es ändert nichts daran, dass du derjenige bist oder diejenige bist, der dafür sorgen muss, dass das Schiff ins Ziel kommt.
Und es wird nicht reichen, wenn du da einmal im Quartal eincheckst und das hat mir jetzt nicht gepasst, da ist das Schiff schon längst ganz woanders. Das heißt, du musst in Redirects arbeiten. Du musst wirklich regelmäßig einchecken, bestenfalls immer, wenn dir was auffällt, sofort einchecken, sofort korrigieren.
Wenn es etwas Intensiveres ist oder etwas Tiefgründigeres, dann kannst du es natürlich an ein tieferes Gespräch delegieren und ich möchte mit dir Woche sprechen, nehmen uns eine halbe Stunde Zeit, dann checken wir da ein.
Aber ein Redirect ist auch wirklich eine kleine Intervention zwischen Tür und Angel. Das heißt, Führung findet eigentlich den ganzen Tag statt. Führung ist die Summe all dieser Interventionen von groß bis klein, vom Mitarbeiterinnen und Mitarbeitergespräch bis zur Korrektur zwischen Tür und Angel bis zum Applaus, wenn jemand was richtig macht. Auch das ist Führung. Auch das ist ein Redirect. Das ist halt kein Redirect, das Re steht hier in Klammern, sondern es ist ein Direct, einfach zu weiter so, go for it. Super. Das heißt, Führung ist eigentlich kein abstraktes Konzept. Führung ist nichts Spirituelles. Führung ist ein ganz schlichtes Handwerk. Führung heißt, dass du eine Vorstellung davon haben musst, wie du es gerne hättest. Führung heißt, dass du eine Vorstellung davon haben kannst, wie es notwendig ist, wie es verlangt ist, damit das Schiff in den Hafen kommt.
Und es ist dann die nötigen Interventionen zu tätigen, damit das Skifahrer wirklich in den Hafen kommt. Bekräftigung, Beschleunigung, Korrektur, bisserl abschwächen, bisschen schneller, bissel links, bisschen rechts und die Leute dann machen lassen. Das heißt nicht, du greifst ans Steuer, sondern du sagst den Leuten, du teilst mit ihnen deinen Blick auf die Dinge. Du bist hoch oben am Masten, du siehst, wir steuern auf auf eine Klippe zu, du Freunde, da kommt die Klippe, wir müssen ein bisschen runter vom Gas, wir müssen Steuer nach links lenken, dann wird alles gut.
Das ist deine Aufgabe als Führungskraft. Und wenn du das tust, dann werden deine Leute über sich hinauswachsen können, dann werden sie was Neues lernen können, dann werden sie zu neuen Höhen aufsteigen können, weil sie einfach was lernen. Weil du sie forderst. Weil du sie förderst. Genau das ist es. Also versuch mal wirklich Führung einmal ins Praktische zu übersetzen. Führung ist ein Everyday Job. Führung findet die ganze Zeit statt, mit jedem Dialog. Wer glaubt, Führung findet nur einmal im Vierteljahr statt, der wird sie mit seinem Schiff irgendwo mitten im Ozean finden, weitab vom Kurs.
Weil in der Taktung kannst du nicht steuern. Es muss kurz Taktik sein. Und genau deswegen will ich dir dieses Konzept des Redirects, dieser elementarsten Form von Führung heute in dieser Ausgabe näher bringen.
Ich möchte dich sehr ermutigen, das auszuprobieren und dem zu folgen, wirklich dir zu überlegen, was braucht es, damit unser Schiff ins Ziel kommt und dann genau diese Interventionen zu setzen. Der Tag, wo du mit dem beginnst, ist der Tag, wo sich dein Unternehmen ändern wird. Das kann ich dir sagen. Der Tag, wo du die Sachen runterschluckst und es nicht sagst, weil du glaubst, du wirst nett sein oder lieber selber zugreifst und alles machst, ist der Tag, wo du dein Unternehmen schwächst.
Deswegen go for it. Probier es aus. So wie ich immer dich animieren will, die Dinge in diesem Podcast auszuprobieren. Tu es auch hier und vor allem lass mich an deinem Ausprobieren teilhaben.
Spiegel mir das zurück. Wie ist es dir ergangen? Hat es funktioniert? Ist eine Frage offen geblieben? Schreib mir an. Hallo liebmarathaner Com, Schreib mir auf LinkedIn, auf Instagram, auf Facebook.
Lass mich wirklich teilhaben an deinen Erfahrungen mit diesem Podcast. Das ist das, was ich mir wünsche. Und was ich auch brauche, ist Feedback. Ich möchte es gut machen hier. Ich möchte es in jeder Folge besser machen. Und das kann ich nur, wenn ich Feedback zurückbekomme. Ich kriege geschriebene Nachrichten, manche schicken mir Audionachrichten.
Ich freue mich wirklich über alles. Tu mir einen Gefallen. Mach das jetzt, Probiere was aus und dann lass mich wissen, wie es funktioniert.
Vor allem bleib mir gewogen hier bei Business Gladiators unplugged und schalt nächste Woche wieder ein mit einer neuen Folge. Ich freue mich sehr darauf, wenn du wieder dabei bist bis dorthin alles Liebe und bye bye.