Folge 140 - Unternehmertum_ Was, wenn ich keine Visionen habe_
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Beobachtung von Start-up-Hypes und deren Scheitern
Viele Start-ups, die jahrelang als die nächsten großen Dinge gehypt wurden, geben plötzlich Stellenkürzungen bekannt oder scheitern. Selbst Milliarden-schwere Unternehmen, die im Sonnenschein unterwegs waren, müssen nun Effizienzmaßnahmen ergreifen. Dies zeigt die Realität hinter dem Hype und die Notwendigkeit einer soliden Substanz.
“jetzt haben wir so viele Jahre hinter uns, wo sie ein Startup höher hyped als das nächste. Na schau auf einmal, schau die ganz großen an Milliarden, Multimilliarden, hunderte Milliardenschwere, unter die alle jetzt die letzten Jahre immer nur im Sonnenschein unterwegs waren, geben auf einmal Stellenkürzungen bekannt.”
segmentQuellmaterial (21)
Was, wenn ich keine Visionen habe? An alle Nichtvisionärinnen und Visionäre da draußen. Diese Folge ist für euch. Ich krieg ja immer wieder die Frage gestellt, Philipp, du redest so oft über deine Vision oder deinen visionären Anspruch oder dein Selbstbild oder Selbstverständnis als Visionär.
Ich habe das Gefühl, ich bin überhaupt kein Visionär. Kann ich jetzt kein erfolgreiches Unternehmen aufbauen? Und das verunsichert tatsächlich viele Menschen, weil es sind ja so viele von den Unternehmerinnen und Unternehmen, die wir hochstilisieren, fast messiashaft aufs Podest heben, waren ja angeblich große Visionärinnen und Visionäre. Der erste Name, der den meisten von uns sofort in den Kopf schießt, Steve Jobs hat die Welt neu erfunden, wie wir miteinander kommunizieren, wie wir miteinander interagieren. Elon Musk will den Mars besiedeln und so weiter und so fort. Das ist natürlich ein Bild, das da gezeichnet wird von Unternehmen, das uns vermittelt naja, wenn du nicht die großen Visionen hast als Unternehmerin, als Unternehmer, dann kannst du eigentlich nicht erfolgreich sein. Und das verunsichert extrem viele Leute, die unternehmerisch aktiv sind und einfach einen guten Job machen wollen und die sagen Moment, was mache ich jetzt, wenn ich keine Vision habe?
Kann dann mein Unternehmen nicht erfolgreich werden? Oder kann ich nicht erfolgreich werden? Oder bin ich dann überhaupt Unternehmerin oder Unternehmer?
Und ich möchte diese Folge dazu nutzen, um eine Lanze zu brechen für alle Nichtvisionärinnen und Visionäre da draußen, weil ich wirklich glaube, dass wir uns selber wahnsinnig machen können. Und das beginnt damit, dass wir mal Visionen, Visions in der Start up Welt präsentiert werden, wo alle die Welt verändern wollen und alle Revolutionen ausrufen wollen. Hochstilisieren als das Nonplusultra. Und die Wahrheit ist aber am Ende streichen wir einfach mal das Wort Vision aus der ganzen Gleichung raus und ersetzen wir es durch was anderes. Ich glaube, du brauchst überhaupt keine Visionen.
Es gibt sogar das alte Zitat Wer Visionen hat, braucht einen Arzt. Auch das glaube ich nicht. Ich glaube, was du brauchst als Unternehmerin, als Unternehmer ist eine Unzufriedenheit. Ich habe darüber schon oft, glaube ich, an unterschiedlichsten Stellen gesprochen.
Stell dir mal die Womit bist du nicht zufrieden? Das kann sein, wie dein eigenes Unternehmen seine Dinge macht. Oder formulieren wir es noch besser Womit bist du noch nicht zufrieden? Indem wie es in deinem Unternehmen läuft, wie ihr die Sachen macht, wie die Qualität deines Produkts ist, was du mit deinem Produkt bewirkst. Vielleicht ist es aber auch etwas, wo du sagst, da bin ich nicht zufrieden mit dem, wie meine Branche agiert, wie meine Mitbewerber agieren, wie andere Leute ihr Geschäft machen, das geht besser.
Das heißt, ich glaube einfach nicht, dass wir alle immer mit diesen großen Visionen, einem Bild von der Welt in fünfzig Jahren durch die Gegend laufen und dann alle die Leute zum Mars schicken müssen oder irgendwas Neues erfinden müssen. Was ich sehr wohl glaube, ist, dass du als Unternehmerin, als Unternehmer die Unzufriedenheit in dir suchen sollst. Und da sind wir relativ einfach, weil die ist stör mal zu finden, weil meckern sind wir ja großartig. Das heißt, deine Unzufriedenheit in dir zu entdecken, wird dir deutlich leichter fallen, als eine Vision zu entwickeln. Ich glaube auch nicht, dass jedes Unternehmen eine Vision oder eine Mission braucht. Ich glaube aber, jedes Unternehmen sollte eine konstruktive, permanente Unzufriedenheit mit sich in sich tragen, wo es darum geht, Dinge morgen besser zu machen als heute. Wenn ich mit einem Handwerker rede, mit einem Tischler, mit jemandem, der vielleicht im produzierenden Gewerbe ist, der kann mit mir in den meisten Fällen leidenschaftlich stundenlang darüber diskutieren, an was er noch arbeitet, wo er findet, dass er vielleicht noch eine Spur besser werden müsste, wo er die Rezeptur gerade noch verfeinert oder wo er noch schaut, wie das Produkt besser konsumierbar wird, wie es einfacher verpackt oder verschifft werden kann und so weiter und so fort. Das heißt, die Unzufriedenheiten auf der kleinen Ebene sind mindestens genauso wichtig und genauso großer Antriebsfaktor wie diese vermeintlich großen Visionen. Also ich glaube nicht, dass du Visionärinnen oder Visionär sein musst. Ich glaube aber schon, dass es gut tut, dass du dich mit einer konstruktiven Unzufriedenheit beschäftigst. Das ist der erste Punkt. Und wenn dir da Dinge einfallen, dann bist du Visionärin oder Visionär. Weil Visionärinnen und Visionäre sind am Ende nichts anderes als Menschen, die sich mit dem Status quo der Zukunft beschäftigen. Und das beginnt damit, dass das Menschen sind, die den Status quo von heute nicht ausreichend finden und Damit ist jeder, der mir taugt das nicht, Ich nehme das am Tisch auf und da ist ein Telefon und da geht ein schwarzes Kabel weg und ich finde das hässlich und da muss man doch was machen können, dass man diese Kabel nicht sieht. Naja, schau, ich bin schon ein Visionär, bin schon ein Visionär. Und wenn ich mir überlege, wie könnten wir das ändern? Das heißt, es muss nicht jeder die Welt verändern, es muss nicht jeder den Mars erobern. Aber ich finde, Unternehmertum ist Unzufriedenheit und ich habe das oft genug betont und deswegen auch wenn du mit dir nicht im Selbstbild eines Visionärs, einer Visionärin durchs Leben gehst, dann kannst du als Unternehmerin, als Unternehmer extrem erfolgreich sein. Um das an der Stelle mal wirklich zu betonen. Das ist der eine Aspekt.
Der andere Aspekt Ich bin davon überzeugt, dass die Welt, wie sie sich uns in den nächsten Jahren darstellen wird, deutlich weniger die Visionärinnen und Visionäre braucht, als diejenigen, die ein Schiff durch raue See steuern können.
Das heißt, diejenigen, die sich stark und mit Leidenschaft damit beschäftigen können, wie sie die Substanz ihres Geschäfts, das Fundament ihres Geschäfts besser machen können, ihr Produkt besser machen können, einen guten Job abliefern, Menschen wirklich nutzen stiften, da draußen ein Team beieinander halten, Beziehungen pflegen, Beziehungen vertiefen, aufbauen. Ich glaube, das sind Qualitäten, die in den nächsten Jahren deutlich mehr gefragt sein werden, als die Qualität des Rad zum fünften Mal neu zu erfinden. Wir kommen aus einer Zeit, aus einem Wachstumsparadigma, wo es immer nur darum gegangen ist, größer, höher, weiter zu praktizieren und den nächsten Hype zu erfinden.
Und wir werden feststellen und sind ja dabei, das längst jetzt auch zu erkennen, dass wir an so vielen Stellen mit einfach nur einen Hype generiert haben. Aber ein Hype ist am Ende nichts anderes als ein Luftballon. Solange du Luft reinbläst, wird der Luftballon größer.
Wenn du aufhörst zum Luftreinblasen, dann geht irgendwann die Luft raus und es ist nur mehr verschrumpelter Luftballon da einmal mehr zeigt sich ich bin bekannt für wirklich herausragend schlechte Metaphern. Es ist die beste, die mir da jetzt eingefallen ist. Aber nicht mehr.
Nicht weniger ist das Wachstumsparadigma. Man lebt davon, dass man immer wieder was Neues reinpustet in die Geschichte Aber wenn du irgendwann einmal aufhörst, dann wirst du merken, die Substanz, das Fundament der Dinge ist eigentlich überschaubar. Und so werden wir in den nächsten Jahren entdecken, dass viele der ach so gehypten Dinge Sachen sind, die die Welt nicht braucht.
Und da wird es viele treffen. Und ich meine, wir merken ja schon, oder jetzt haben wir so viele Jahre hinter uns, wo sie ein Startup höher hyped als das nächste. Na schau auf einmal, schau die ganz großen an Milliarden, Multimilliarden, hunderte Milliardenschwere, unter die alle jetzt die letzten Jahre immer nur im Sonnenschein unterwegs waren, geben auf einmal Stellenkürzungen bekannt.
Die Unternehmen, wo es jetzt zehn Jahre lang nur raufgegangen ist, sagen, auf jetzt könnte es sein, dass es einmal zurückgeht. Unternehmen, die zu den Stars ihrer Branche gehören, sagen, wir stellen uns ein auf einen Winter, auf einen Winter, wo es schlechter läuft. Und deswegen müssen wir jetzt unser Team in die Effizienz bringen und haben keinen Platz mehr für überbordende Spacett, wie an Beauftragten oder Beauftragte für XY Wellness Beauftragte sprichwörtlich im Unternehmen.
Die Bällebäder werden gekürzt und die Rutschen werden abmontiert. Also es kommt eine Zeit auf uns zu, wo es nicht unbedingt braucht den nächsten Hype, sondern wo es braucht Unternehmerinnen und Unternehmer, die substanziell in der Lage sind, Nutzen zu stiften und ihre Unternehmen nach vorne bringen. Und deswegen sage ich dir eins, ich glaube, wenn du zu denen gehörst, die sagen, ich bin eigentlich nicht der große Visionär, die große Visionärin, dann kann es sein, dass deine Zeit jetzt kommt.
Und diese Ermutigung möchte ich unbedingt aussprechen, weil ich glaube einfach, dass wir uns so oft blenden lassen von diesen ganzen Stories, die da draußen herumschweben und von diesen Heldinnen und Helden, die da inszeniert und hochstilisiert werden. Und am Ende tut es aber manchmal gut, ein bisschen dahinter zu schauen. Und dahinter schauen zeigt uns einfach, es ist nicht immer die große Vision, die Erfolg macht.
Manchmal sind es ganz schlichte Geschäftsideen. Eine Autovermietung, die einfach dafür sorgt, dass die Autos immer sauber und immer in guter Qualität da sind. Na bitte. Und läuft schon. Oder unterschiedlichste Gewerbe, die ihr Craftsmanship, also ihr Handwerk perfektionieren. Der Bäcker, der sagt, bei mir gibt es das Brot, wo der Teig besonders lang rastet und doppelt gebacken ist. Und das ist substanzielle Qualität.
Und deswegen stehen die Leute am Sonntag Schlangen. Also es wird um diese Dinge gehen. Die Substanz wird am Ende gewinnen.
Und deswegen, wenn du als Unternehmerin, als Unternehmer mit einer Unzufriedenheit durchs Leben gehst, die dazu führt, dass du Dinge immer besser machen willst und gleichzeitig auch darauf schaust, dass die Substanz deines Unternehmens gut ist, dann wirst du in den nächsten Jahren zu den Gewinnern gehören. Davon bin ich felsenfest überzeugt. Ich möchte an der Stelle auch ans Herz legen. Ich hab irgendwann einen Podcast gemacht zur Reicht gute Arbeit alleine aus? Vielleicht ziehst du dir den auch rein. Da rede ich sehr wohl drüber, dass du natürlich mehr tun musst als gute Arbeit. Du musst das verkaufen, was du da machst.
Du musst es mit Begeisterung belegen. Aber es sind nicht die Weltrettervisionen, glaube ich, die den nächsten Hype generieren, sondern es sind die Unternehmen, die ein gutes Fundament mitbringen mit Führungskräften, mit Gründerinnen und Gründern, mit Unternehmerinnen und Unternehmern dahinter, die einfach einen guten Job machen wollen und diesen Job auch gut verkaufen mit einer guten Qualität, mit guten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Das werden diejenigen sein, die in den nächsten Jahren wirklich Meta machen werden. Und davon bin ich felsenfest überzeugt. Und deswegen heute die Lanze hier bei Business Gladiators am Plug.
Für alle Nichtvisionärinnen und Visionäre, eure Zeit ist da. Ich wünsche euch alles Gute, viel Erfolg. Ich freue mich auf nächste Woche. Wenn du eine Frage hast, schick sie mir unbedingt. Vielleicht an der Stelle noch die WhatsApp Line drei hundert drei und dreiig ein und dreiig tausend fünf hundert fünf und fünfzig oder einfach auf Insta, LinkedIn, Facebook, wo auch immer du Lust hast. Schick mir deine Frage, dann ist sie vielleicht nächste Woche schon dabei hier bei Business Gladiators unplugged. Ich freue mich auf dich. Alles Liebe und bye bye.