Folge 78 - Wie viel kaufmännische Fähigkeiten brauche ich?
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Alexanders intensives Nachhören des Podcasts
Alexander entdeckte den Podcast kürzlich und hörte ihn daraufhin intensiv von der ersten Folge an nach. Er zog sich wirklich alle Inhalte rein, was sein großes Interesse und seine Lernbereitschaft für die vermittelten Themen zeigt. Dies ist ein Beispiel für die engagierte Rezeption des Podcasts.
“Alexander schreibt mir den Podcast jetzt, nachdem er mich entdeckt hat. Vor kurzem nachgehört von der ersten Folge weg Sie wirklich alles reingezogen.”
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Wie viel kaufmännische Fähigkeiten brauche ich? Willkommen zurück hier bei Business Gladiators Unplugged. Schön, dass du dabei bist und danke für all die zahlreichen Nachrichten in den letzten Wochen. Ich wurde wirklich geflutet von Feedback und freue mich unglaublich darüber.
Barbara schreibt mir, sie hat den Podcast im Juni abonniert und freut sich unglaublich für die interessanten Fragen. Sie spürt die Erfahrung und schätzt sehr die Authentizität. Alexander schreibt mir den Podcast jetzt, nachdem er mich entdeckt hat. Vor kurzem nachgehört von der ersten Folge weg Sie wirklich alles reingezogen.
Hut ab, Alexander, das ist wirklich eine ordentliche Ladung. Ich freue mich sehr über dieses Interesse. Schön, dass du dabei bist.
Wir behandeln hier jede Woche eine Frage und die Frage dieser Woche ist, wie viel kaufmännisches Geschick oder wie viel kaufmännische Fähigkeiten brauche ich eigentlich, wenn ich ein Unternehmen erfolgreich betreibe?
Und ich gehöre ja wirklich zu jenen, die über dieses Thema Zahlenoptimierung, Kostenoptimierung und so weiter sehr wenig sprechen. Ich tue das manchmal etwas abschätzig ab als Exoterrorismus und sage, dass das eigentliche Unternehmertum woanders liegt, nämlich dort, wo Leidenschaft ist, wo Überzeugungskraft ist, wo Ideen sind, wo ich wirklich eine große Vision verfolge und der Rest wird folgen. Und ich bin manchmal da vielleicht zu undeutlich und das möchte ich heute in dieser Folge korrigieren. Das könnte man so missverste, dass ich mich um das Thema Zahlen nicht kümmere. Und das absolute Gegenteil ist der Fall. Ich bin ein Unternehmer, der wirklich stark von seiner Vision, von seiner Mission getrieben ist. Ich möchte wirklich gute Dinge machen, ich möchte exzellente Dinge machen und bin zutiefst davon überzeugt, dass dann auch der finanzielle Erfolg sich einstellt. Aber ich bin keiner, der Räucherstäbchen anzündet und darauf hofft auf esoterische Weise, dass das Geld seinen Weg findet. Nein, ich mache auch meinen Job und und mein Job als Unternehmer ist dafür zu sorgen, dass der kaufmännische Teil des Unternehmens auf grundsolide Beine gestellt ist. Und genau darüber will ich heute mit dir sprechen, weil ich wirklich glaube, dass das in Zeiten wie diesen mehr als entscheidend ist. Und ich möchte ein paar meiner Grundprinzipien mitgeben. Eines meiner Grundprinzipien ist, ich will die Mechanismen und den Erfolg meines Unternehmens bis in die zehn Spitzen verstehen. Das heißt ich habe wirklich tiefstes Interesse auch an den Zahlen und an den Dynamiken im Unternehmen.
Das ist in einer Firma, die und ich habe ja auch meine Firma völlig alleine gegründet, die am Anfang steht und wo man vielleicht ein überschaubares Team von wenigen Leuten hat, alle Entscheidungen selber trifft, ist das die einfachere Übung. Alles, was du hier tun musst, ist darauf zu achten, dass dein Unternehmen auch tatsächlich eine Gewinnmarge produziert. Das heißt, du musst nicht nur darauf achten, dass du mehr einnimmst, als du ausgibst, sondern du sollst dich auch, und das halte ich für entscheidend, auf eine Gewinnmarge für dich festlegen. Ich habe am Anfang meines Unternehmertums einfach ein bisschen recherchiert und habe geschaut, was machen Agenturen eigentlich an Gewinnmarge, wie viel Prozent vom Umsatz bleibt hier übrig, Habe mir hier Studien angeschaut, habe mir Marktforschung angeschaut, habe mir Beispiele angeschaut, das Internet ist ein Wunderwerk, so viele teilen hier wirklich ihre Insights und ich habe dann für mich eine Benchmark gefunden, auf die ich mich einfach festgelegt habe, wo ich gesagt habe, okay, das ist mein Ziel. Habe da nicht, möchte ich gleich dazu sagen, die untere Latte genommen von Agenturen, sondern habe mich eher an den Besten orientiert, habe mir gedacht, okay, das wäre ein solide Benchmark für eine Profitabilität und die habe ich mir gesetzt und nach der habe ich fortan gestrebt und habe versucht wirklich auch hier mit einerseits einer Berücksichtigung von Personaleinsatz, von Personalkosten, die natürlich in Agenturen einen Großteil ausmachen, aber auch von sonstigen Kosten, von diversen Dingen, die man hier zukauft, versucht am Ende des Tages eine bestimmte Marge, auf die ich mich festgelegt habe, sicherzustellen. Und das ist in einer Zeit, wo man mit einem kompakten Team unterwegs ist, sehr einfach.
Aber das heißt trotzdem nicht, dass es alle tun. Ich erlebe immer wieder Unternehmerinnen und Unternehmer, die sich den Zahlen nicht stellen, die einfach schauen, was passiert und was kommt rein und die nach Gutdünken ihre Leistung anbieten, ohne wirklich zu kalkulieren. Man erlebt es in vielen Branchen, lebt es oft in der Gastronomie, die mir ja sehr am Herzen liegt und wo ich ja auch beruflich irgendwann mal verwurzelt war, wo es wirklich viele gibt, die ihre Speisekartenpreise einfach nach Gefühl schreiben und keine solide Kalkulation machen, was ist mein Wareneinsatz, was sind meine Kosten dahinter und was ist dann der Aufschlag, wo ich tatsächlich auch was verdienen will damit. Wer diese Übung im eigenen Business nicht macht, der kann früher oder später untergehen. Und das ist vielleicht unwahrscheinlicher, wenn man noch sehr klein ist und alle Kosten im Überblick hat. Aber spätestens dann, wenn Wachstum eintritt, wenn Menschen Entscheidungen treffen, die kostenwirksam sind und die du nicht unbedingt selbst kontrollierst, dann kann dir das das sprichwörtliche unternehmerische Genick brechen.
Und genau deswegen ist mein erstes Prinzip. Ich gehe wirklich bis in die Zehenspitzen hinein. Wenn ich das Gefühl habe, ich habe einen Aspekt der Dynamik meines Unternehmens nicht verstanden, dann forsche ich da hinein, bis ich alles verstanden habe. Dann drehe ich wirklich jeden Beleg um, dann drehe ich jede Zahlenkolonne um und erforsche, bis ich das Gefühl habe, ihr habt es verstanden. Das ist mein erstes Prinzip.
Also ich knie mich da richtig rein, wenn ich nicht verstehe oder wenn ich das Gefühl habe, es tut sich eine Nebelwand auf und ich habe keinen genauen Überblick mehr, dann ist das spätestens der Trigger, dass ich meine Arbeit zu tun habe, dass ich meine Hausaufgaben zu erledigen habe. Das zweite Prinzip ist, ich habe es schon erwähnt eingangs, ich habe mich sehr klar committed auf ein Rentabilitätsziel und das würde ich dir auch empfehlen. Viele Unternehmerinnen und Unternehmer definieren sich über ihren Umsatz und das ist schön, Aber ich glaube, wenn du endlos viel Umsatz machst und es bleibt nichts übrig, dann ist das nicht nur gut für dich, nicht nur nicht gut für dich als Unternehmerin, als Unternehmer.
Es ist auch nicht gesund für dein Unternehmen. Unternehmen haben die Aufgabe, Gewinne zu schreiben. Wir leben in einer Welt, da werden Unternehmen mit Gewinnen oft verteufelt.
Ich halte das für absurd. Ich halte das für absurd, weil Unternehmen, die nicht Gewinne schreiben, sind Unternehmen, die eigentlich bei jeder kleinsten Windböe Gefahr laufen zu kentern. Und wer kann das wollen, wer sowas sagt nach einer Corona Pandemie, hat nicht verstanden aus meiner Sicht. Es kann immer wieder eine Zeit kommen, wo es schwierig wird.
Und dann ist es gut, wenn ein Unternehmen einen Polster hat. Dann ist es gut, wenn ein Unternehmen auch wirklich weiter nach vorne schauen kann. Und deswegen ist es wichtig, dass dein Unternehmen Gewinne schreibt und du als Unternehmerin, als Unternehmer hast dir die Frage zu Wie stelle ich sicher, dass mein Unternehmen gewinne?
Schreibt Es ist nicht nett, wenn du in einer Preisverhandlung mit dem Kunden oder potenzieller Kundin immer nachgibst und die sprichwörtlichen Federn lässt und am Ende dann deine Rechnungen nicht bezahlen kannst. Wem ist damit geholfen? Integrität hat sehr viel mit Unternehmertum zu tun und Integrität ist eines, das glaube ich auch im Management der Finanzen sehr gut hilfreich sein kann.
Mein zweites Prinzip ist in der Tat, ich versuche wirklich mich auf eine Gewinnmarge auch entsprechend festzulegen. Mein drittes Prinzip ist ich versuche mir wirklich Dashboards zu schaffen. Ich versuche mir wirklich so was wie ein unternehmerisches Cockpit zu schaffen in meinen Unternehmen, wo ich die wesentlichen Zahlen auf Knopfdruck zur Verfügung habe.
Und ganz ehrlich, das klingt komplexer als man denkt. Lange Zeit hat das für mich bedeutet, ich habe einfach alle meine Umsätze und Aufträge in eine Excel Liste eingetragen und lange Zeit hat das einfach nur bedeutet, ich habe alle Ausgangsrechnungen und deren Zahlungsstatus in einer Excel Liste erfasst und habe dann mit ein paar Auswertungen mir einfach ein Dashboard erstellt, um wirklich auch zu erkennen, wo stehe ich? Wie bin ich unterwegs?
Wie läuft dieser Monat im Vergleich zum vorherigen oder im Vergleich zu demselben Monat vor einem Jahr? Wie haben sich die letzten zwölf Monate fortlaufend entwickelt? Das sind Dashboards, die brauchst du, um wirklich zu bewerten, wie gut bist du unterwegs?
Du kannst ein Basketballspiel nicht spielen, ohne dass irgendwo der Punktestand angezeigt wird. Wenn kein Punktestand angezeigt wird, dann weiß niemand, wer ist vorne, wer ist hinten, wie gut läuft das Spiel? Genau das Gleiche gilt für Unternehmerinnen und Unternehmer. Du brauchst dein Scoreboard.
Du brauchst dieses Brett, an dem du wirklich mit einem Blick feststellen kannst, wie gut bist du unterwegs? Entwickelt sich dein Umsatz gut? Wie entwickelt sich deine Kostenstruktur?
Es ist deine Aufgabe, dich hier rein zu graben. Und jetzt wirst du vielleicht Naja, aber ich bin ja eigentlich Unternehmer geworden, weil ich meinem Handwerk, meiner Profession nachgehen möchte. Das ist schön und gut, aber deine Facharbeit alleine wird dich nicht retten. Und wenn du den Spielraum hast, dann hast du natürlich die Möglichkeit, dir für diese Aufgaben eine vertraute Person an Bord zu holen einen CFO, wenn du so willst. Ich habe das selbst getan an meiner Seite, wo mich ein lieber Freund und Wegbegleiter, der herausragend ist in diesem Bereich, gut und professionell begleitet dort oder da und mich hier wirklich unterstützt. Und das ist gut so. Wenn du selber nicht den Hang und die Leidenschaft zu diesen Themen hast, dann brauchst du jemanden, der das für dich tut, was dich nicht davor rettet, dich damit beschäftigen zu müssen. Du musst dich also mindestens einmal im Monat hinsetzen und in deine Zahlen eintauchen. Das ist Voraussetzung dafür, dass du wirklich auch den Überblick behältst.
Das vierte Prinzip, Du darfst Gewinne nicht mit Cashflow verwechseln. Das ist aus meiner Sicht ein entscheidender Punkt. Selbst wenn du jede Woche oder jeden Monat wunderbare Auswertungen von deinem Steuerberater, deiner Steuerberaterin bekommst, wo dir am Ende ein Gewinn ausgewiesen wird nach Abschreibungen, nach Steuern, nach all diesen betriebswirtschaftlichen Themen, dann darfst du das nicht verwechseln mit Cashflow. Es gibt Dynamiken in einer Unternehmensbuchhaltung, die durch Abschreibungen entsteht, die bedeuten, dass du nicht einfach deinen Gewinn mit den Cash Reserven gleichsetzen kannst. Das heißt, einfach zu glauben, du kannst den Gewinn, den buchhalterischen Gewinn dir einfach so rausnehmen, würde bedeuten, dass du dein Unternehmen über Zeit einfach aushungerst und damit eine sehr knappe Cash Decke schaffst. Die Cashdecke ist aber diejenige, die du brauchst, um wirklich auch langfristig denken zu können. Das bringt mich zum fünften und letzten Prinzip, das ich dir mitgeben will und das ist langfristiges Denken. Wenn du als Unternehmerin, als Unternehmer agierst, dann hast du einen großen Vorteil gegenüber all diesen Konzernen. Du musst nicht in Quartalen denken und ich glaube, das ist wirklich der größte Fluch, den große Konzerne haben, diese Quartalsdenke, dass das Quartalsreporting optimiert werden muss. Das bringt einen sehr rasch in kurzfristige Denke rein.
Da hast du eine Chance, eine Chance, einen Wettbewerbsvorteil als Unternehmerin, als Unternehmer zu generieren, indem du langfristig denken kannst, indem du langfristig deine Cash Reserven, die Gewinne, die du angehäuft hast, verwenden kannst, um vielleicht Investitionen zu tätigen, die sich nicht sofort rentieren, um vielleicht Dinge zu tun, die nicht sofort einen Return on Investment zeigen, aber langfristig dein Geschäft beflügeln werden. Das kann manchmal sein eine Investition in eine besondere Ausstattung. Das kann sein die Investition in personelle Kapazitäten, die nicht gleich benötigt werden oder die vielleicht erst über Zeit wirken, etwa im Bereich Sales.
Das können unterschiedliche Dinge sein, die dir aber eben erst dann möglich werden, wenn du dein Unternehmen auf solide Grundfeste auch baust. Mir ist es wichtig, dir diese Prinzipien mitzugeben, im Wissen, dass das ein neues Themenfeld ist, das wir hier bei Business Gladiators Unplugged aufreißen. Aber es war mir ein Herzensanliegen, weil ich Sorge hatte, dass ich vielleicht auch missverstanden werde, dass ich hier nur auf das Prinzip Hoffnung baue.
Und das absolut Gegenteil ist der Fall. Wenn du diese fünf Prinzipien beachtest und vor allem, wenn du weißt, dass das nämlich das kaufmännische Geschick, die kaufmännische Verantwortung Teil deiner Unternehmerinnen und Unternehmeraufgabe ist, dann kann auf Dauer nichts schiefgehen. Ich hoffe, dass du Lust und Freude verspürst, das anzugehen oder es vielleicht schon angegangen bist.
Wie auch immer. Lass es mich wissen. Lass mich wissen, ob diese Folge für dich wertvoll war, ob du was damit anfangen kannst.
Ich freue mich sehr über dein Feedback und noch mehr freue ich mich, wenn du nächste Woche wieder einschaltest, hier bei Business Gladiators Unplugged. Mein Name ist Philipp Mardertaner und ich freue mich auf dich. Alles Liebe und Bye bye.