Folge 47 - Wie weiß ich, wann ich expandiere?
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Angst und Sorge sind fester Bestandteil des Unternehmertums
Angst und Sorge sind keine Ausnahmen, sondern gehören untrennbar zum Unternehmertum dazu. Philipp hat dies selbst erlebt und beobachtet das Phänomen jedes Jahr aufs Neue. Es ist eine grundlegende Aufgabe für Unternehmer, den Umgang damit zu erlernen und zu meistern.
“ich glaube wirklich, es gehört zum Unternehmertum dazu. Ich habe das selber am eigenen Leib erlebt, erlebe auch jedes Jahr das gleiche Phänomen.”
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Ich habe Angst vorm Expandieren. Ich weiß nicht, ob ich diese personelle Entscheidung treffen soll, ob ich neue Leute an Bord hole, ob ich mein Firmengebäude vergrößern soll, neue Maschinen anschaffen soll, ein neues Büro anmieten soll und so weiter und so fort. Die Angst vorm Expandieren, das ist wahrscheinlich etwas, das viele Unternehmerinnen und Unternehmer gemeinsam haben. Wir haben immer wieder auch Sorge, ob wir wirklich den richtigen Schritt setzen, weil wir einfach nicht wissen, wie das Morgen aussieht. Das ist Teil des Unternehmertums und deswegen sprechen wir in dieser Folge von Business Gladiators Unplugged genau darüber, wie gehe ich um mit dieser Angst vor der Expansion, wie gehe ich um mit dieser Ungewissheit vom Morgen.
Und die erste und wichtigste Information für dich ist, ich glaube wirklich, es gehört zum Unternehmertum dazu. Ich habe das selber am eigenen Leib erlebt, erlebe auch jedes Jahr das gleiche Phänomen. Meine Unternehmen entwickeln sich und ich freue mich sehr darüber und bin unendlich dankbar, sehr erfolgreich seit über mittlerweile acht Jahren. Und dennoch komme ich immer wieder am Ende eines Jahres von der großen Euphorie über das erfolgreich gelaufene Jahr direkt in die Angst und wird es denn im nächsten Jahr genauso sein? Ich glaube wirklich, das gehört dazu wie die Butter aufs Brot. Und es ist einfach unsere Aufgabe zu lernen, mit dieser Angst oder mit dieser Sorge auch umzugehen, auch wenn es darum geht, große Entscheidungen zu treffen.
Ich habe selbst in diesem Jahr, im abgelaufenen Jahr eine wirklich große Entscheidung treffen müssen, auch eine Expansionsentscheidung für mein größtes und langjährigstes Unternehmen. Die Frage, ob wir auch in ein neues Bürogebäude ziehen und uns dort aufstellen für die nächsten fünf bis sieben Jahre oder fünf bis zehn Jahre Jahre an Expansion. Und all das beruhte natürlich auch auf der Annahme, dass dieses Wachstum auch weitergeht, dieser Erfolgskurs auch weitergeht. Natürlich ist all das ein Poker mit der Zukunft. Ich weiß es nicht, ob dieses Wachstum weitergehen wird, aber wenn es weitergeht, brauche ich die notwendigen Kapazitäten.
Wenn es nicht weitergeht, habe ich plötzlich ein zu großes Bürogebäude, zu große Verpflichtungen, zu hohe Mieten, zu hohe Fixkosten und dergleichen. Das ist genau die unternehmerische Abwägung, vor der viele von uns ja jeden Tag stehen, auch wenn es darum geht, neues Personal an Bord zu holen, auch personell zu expandieren, neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu engagieren. Es ist immer die gleiche Frage, die wir uns Schaffe ich das? Ist das der richtige Schritt? Ist es jetzt der richtige Schritt?
Und die Antwort ist natürlich wir wissen es nicht. Wir können nicht in die Zukunft schauen. Was wir aber tun können, ist eine unternehmerisch verantwortungsvolle Entscheidung zu treffen.
Die grundlegende Frage dafür mag dir sehr schlicht erscheinen. Sie Kann ich mir das leisten? Kann ich mir das leisten? Und so banal die Frage klingt, so einfach ist sie nicht zu beantworten. Die Kann ich mir das leisten?
Ist zum Beispiel zu beantworten. Habe ich das nötige Geld auf der Seite, um allenfalls auch einen Rückschlag verkraften zu können? Kann ich einen Rückschlag überleben?
Was könnte ich für Maßnahmen setzen im Fall eines Scheiterns? Also gibt es Handlungsspielraum, wenn die Sache schiefgeht? Oder ist, wenn die Sache schiefgeht, kein Handlungsspielraum mehr vorhanden?
Und die eine Sache ist ganz klar wenn kein Handlungsspielraum mehr vorhanden ist im Falle eines Scheiterns, dann ist es tatsächlich Poker, dann ist es Hochrisiko. Und dann musst du dir die Frage stellen, ob du an diesem Glücksspiel mit einer Wette auf die Zukunft teilnehmen willst. Und ich glaube, da haben viele jetzt gerade im abgelaufenen Jahr im Corona Kontext Erfahrungen gemacht, die sie wahrscheinlich heute anders entscheiden lassen würden.
Wir können die Zukunft nicht vorhersehen und wir müssen als Unternehmerinnen und Unternehmer einen vernünftigen Mittelweg finden zwischen Risikofreude und verantwortungsvollem Handeln. Ich habe mir zum Beispiel die Frage gestellt bei meinem Büro, was passiert, wenn die Umsätze zurückgehen? Wie viel kostet es mich, aus einem Vertrag wieder herauszukommen?
Wie viel würde es mich kosten, dieses Büro dann durchfinanzieren zu müssen, obwohl die Umsätze nicht da sind? Wie lange müsste ich dafür arbeiten, um einen allfälligen Kredit abzutragen? Ich habe also diese Informationen der Konsequenzen massiv ausgeleuchtet. Ich habe mir auch die Frage gestellt, welche Worst Case Maßnahmen würde ich setzen, wenn es tatsächlich schief geht? Also könnte ich Untermieter hineinnehmen?
Eine Sache, die ich dann letztlich noch in den Vertrag hinein verhandelt habe, Könnte ich gegen Strafe früher vom Vertrag ausscheiden? Auch das ein Aspekt, den ich in der Verhandlung eingebracht habe. Also ich habe versucht, mein Risiko, soweit es geht, zu minimieren und mir Handlungsspielraum zu verschaffen für den Fall, wenn die Sache nicht aufgeht.
Ich erlebe immer wieder, dass natürlich Unternehmerinnen und Unternehmer gerade am Anfang oft, man will fast sagen, mit blinder Hoffnung aufs Glück investieren, also sich völlig irrational einfach übernehmen mit Investitionen, wo es keinen Anhaltspunkt dafür gibt, dass die sich auf irgendwelchen logisch herbeiführbaren Entwicklungen amortisieren würden, also auch wieder abzahlen würden, sondern wo ausschließlich das Prinzip Hoffnung agiert.
Und hier muss man sich als Unternehmer aus meiner Sicht natürlich kritisch fragen, was ist das Motiv meiner Expansion? Ist das Motiv meiner Expansion, weil ich mir eine Welt baue, wie ich gerne mein Unternehmen sehen möchte oder wie ich gerne als Unternehmerin, als Unternehmer gesehen werden möchte? Oder ist es eine Expansion, die notwendig ist, weil es einfach auch das Geschäft erfordert und das Geschäft spricht in Zahlen? Also erfordert es der Umsatz, die Nachfrage, erfordert es die Auslastung, die voraussichtliche Auslastung, die Entwicklung auch meiner Umsatzströme? Oder ist es vielmehr etwas, das vielleicht von meinem Wunsch beseelt ist, wie ich es gerne auch sehen möchte. Ich habe selber mal so ein Manöver gemacht bei meiner Expansion nach Berlin mit einer Außenstelle habe ich gleich mal groß investiert und einen großen Bauchfleck auch gelandet, weil die Umsätze nicht so sofort entsprechend eingetreten sind und eigentlich mehr Einsatz von mir erfordert hätten. Aber ich wollte unbedingt diese Expansion nach Deutschland und ich habe dann eingesehen, dass das ein Fehler war, dass es mehr davon getrieben war, wie ich gerne mein Unternehmen gesehen hätte, aber dass mein Unternehmen längst nicht dort war. Heute macht mein Unternehmen ein Vielfaches der Umsätze in Deutschland von damals und wir betreiben nach wie vor nur eine Außenstelle und werden diese jetzt in diesem Jahr aufgrund der Nachfrage schrittweise zu einem vollwertigen Standort wieder ausbauen, weil es die Nachfrage verlangt, nicht weil es mein Ego verlangt. Das heißt also die Abwägung in der Soll ich jetzt wirklich expandieren? Tut gut, diese wirklich auf echte, harte Fakten zu münzen, weniger auf Vision zu bauen und mehr auf tatsächliche Nachfrage, Einschätzung des Marktes, Entwicklung des Umsatzes auf diese Dinge. Natürlich gehört immer eine gewisse Portion Risiko dazu. Auch mein Unternehmen ist nicht sicher davor, dass es diesen Expansionsschritt, den es jetzt tut, mit seinem neuen Bürostandort tatsächlich meistern kann.
Es baut auf der Annahme, dass in den nächsten fünf bis sieben Jahren unser Wachstum erneut jedes Jahr im zweistelligen Bereich liegt. Und natürlich weiß ich das heute nicht, aber es gibt derzeit keinen Indikator, der nicht darauf hindeutet. Kann ich mich irren? Selbstverständlich, so wie wir uns alle geirrt haben bei der Annahme, wie sich das Jahr zwei tausend zwanzig entwickeln wird.
Wir können bestimmte Dinge nicht vorhersehen. Solche Dinge kann ich nicht einpreisen. Aber ich weiß auch, dass sollten die Prognosen des Umsatzes nicht eintreten, dann wird uns dieser Expansionsschritt nicht das unternehmerische Leben kosten. Es wird nicht die Firma stürzen und in den Abgrund stürzen.
Es wird uns in eine schwere Schieflage bringen, aber es wird uns nicht über die Klippe stoßen. Und unter dieser unternehmerischen Verantwortung habe ich diese Entscheidung getroffen. Das heißt zusammenfassend möchte ich dir bei dieser Frage Wie entscheide ich mich für oder gegen eine Expansion, egal ob personell oder in Investitionen? Zunächst die Frage Ist es tatsächlich eine Nachfrage getriebene Expansion? Also reagierst du damit auf Signale vom Markt, von deinen Kunden? Oder baust du vielmehr deine eigene Vision?
Da würde ich immer Vorsicht walten lassen. Das kann oft auch ein Ego Thema sein, wo wir uns eine kleine Welt bauen, wie wir uns oder unser Unternehmen gerne sehen möchten. Und wenn es wirklich nachfragegetrieben ist, dann ist es einfach nur die Kann ich es mir leisten? Was passiert, wenn es nicht funktioniert? Was kann ich tun, um den Schaden dann abzufedern? Was kann ich an Vorsorge treffen?
Und wenn diese Fragen ausreichend beantwortet sind, dann geh den Schritt und geh mit voller Kraft und schau nicht zurück, sondern schau nur nach vorne, so wie ich das jetzt tue in meinem aktuellen Expansionsschritt. Ich freue mich, wenn du aus dieser Folge was mitnehmen konntest. Die Frage der Expansion beschäftigt wachstumsorientierte Unternehmen jeden Tag.
Ich hoffe, ich konnte dir einige Tipps und Gedankenanstöße mitgeben und freue mich, wenn du nächste Woche wieder dabei bist bei Business Gladiators Unplugged, dem Podcast für Unternehmerinnen und Unternehmer. Schick mir deine Frage auf philippmarathaner com Podcast, Registriere dich dort für meine Podcast Community und und mach das Thema dieses Podcasts zu deinem Thema. Ich freue mich drauf. Bis zum nächsten Mal. Alles Liebe.