Folge 54 - Wie viel Wahrheit ist dem Team zumutbar?
Entities
59
Relationen
60
Chunks
20
Themen
40
headphonesAudio
hubWissensgraph
Angst vor Fehlern hindert Führungskräfte an Transparenz
Viele Führungskräfte scheuen sich davor, Unsicherheiten oder das Nichtwissen über zukünftige Entwicklungen zuzugeben. Die Angst, als unwissend oder fehlerhaft dazustehen, verhindert oft eine offene und transparente Kommunikation.
“Knackpunkt, warum sich das die meisten Unternehmerinnen und Unternehmer nicht zu sagen trauen, weil hier kommt das kleine Wir wissen gar nichts.”
segmentQuellmaterial (20)
Wie viel Wahrheit ist eigentlich dem Menschen zumutbar? Ich möchte diese Frage für die dieswöchige Ausgabe von Business Gladiators unplugged etwas umformulieren, weil ich von einer Sache sehr überzeugt Wahrheit steht nicht zur Disposition als Unternehmerin, als Unternehmer. Deswegen die Wie viel Klarheit ist den Menschen zumutbar? Wie viel Klarheit ist meinem eigenen Team zumut zumutbar?
Und die Frage halte ich deswegen für so spannend, weil ich immer wieder merke, dass Unternehmerinnen und Unternehmer davor zurückschrecken, wirklich über die Hintergründe ihrer Entscheidungen auch offen und transparent gegenüber dem ganzen Team zu sein. Und ich halte das, um ganz offen zu sein, für einen massiven Fehler. Meine Erfahrung der vergangenen Jahre hat mir gezeigt, dass immer dann, wenn ich am offensten und transparentesten war, über meine Beweggründe für meine Entscheidungen, auch zu meinen Entscheidungen gestanden bin, gesagt habe das ist es, was ich mir überlegt habe. Und das ist der Grund, warum ich glaube, dass das die richtige Richtung ist, dass immer dann auch eigentlich der Zuspruch oder die Bereitschaft, die Veränderung auch mitzugehen, am größten war. Aber es erfordert natürlich Courage oder Rückgrat oder ich weiß es nicht Mut, vielleicht auch von einem Unternehmer, einer Unternehmerin, sich vor die eigene versammelte Mannschaft und das eigene Team hinzustellen und zu so Freunde.
Das habe ich mir überlegt. Das sind die Schritte, die wir gehen müssen. Der Grund, warum wir das tun. Es schaut in dem Bereich nicht gut aus. Hier ist Veränderung, da müssen wir was angehen. Eins, zwei, drei, vier, fünf.
Und deswegen habe ich entschieden und meine Erwartungen auch ist nicht, dass ihr mich jetzt bejubelt oder vielleicht begeistert seid. Nein, meine Erwartung ist einfach nur, dass ihr mir vertraut, dass ihr mir vertraut, dass ich als euer Chef auf Dinge vielleicht anders drauf schaue, als ihr das tut.
Und es natürlich so ist, dass ihr nicht alle Dinge nachvollziehen könnt oder genauso seht. Das wäre ja auch komisch, weil immerhin verfügt eine Führungskraft über ganz andere Informationen, als das der einzelne Mitarbeiter tut, die einzelne Mitarbeiterin. Aber dass es dann eigentlich um Vertrauen geht, nämlich Vertrauen, dass der Vorgesetzte, der Unternehmer, die Unternehmerin auch weiß, wo die Reise hingeht. Jetzt sind wir schon beim Knackpunkt, warum sich das die meisten Unternehmerinnen und Unternehmer nicht zu sagen trauen, weil hier kommt das kleine Wir wissen gar nichts. Es geht uns nämlich genauso wie allen anderen. Wir wissen nicht, was in Zukunft passiert. Das heißt, der Punkt ist zu sagen, wir wissen, was das Richtige ist, ist eigentlich fahrlässig, weil es besteht ja immer das Risiko, dass dann rauskommt, dass es doch die falsche Entscheidung war. Und was tun wir dann als Unternehmer, als Unternehmerin? Dann stellen wir uns hin und was Ich habe mich falsch entschieden oder ich habe es nicht gewusst. Ich habe zwar gesagt, ich weiß es, aber eigentlich wusste ich es nicht. Und jetzt sind wir beim Punkt. Ich glaube, es braucht eine schonungslose Ehrlichkeit. Ich stelle mich oft vor mein Team hin und Freunde, das ist die Entscheidung, die ich getroffen habe. Bin davon überzeugt und glaube daran, dass das der richtige Weg ist. Weiß ich es? Nein, natürlich weiß ich es nicht. Ich habe keine Ahnung. Aber glaube ich, nach allem, was mir zur Verfügung steht und nach allem, wo ich nach bestem Wissen und Gewissen die Entscheidung auch treffe, dass das das Richtige ist. Ja, mit jeder Faser meines Körpers. Aber wissen tue ich gar nichts. Und wenn ihr jemanden wollt, der alles weiß, dann gebe ich euch einen Tipp. Sucht euch einen anderen Arbeitgeber, weil das wird nichts mehr mit mir. Ich werde nie alles wissen.
Ich bin imperfekt und ich stelle mich hin vor mein Team und ich bin imperfekt, genauso wie jede und jeder einzelne von euch. Das ist das eigentliche Problem von uns Unternehmerinnen und Unternehmern ist, dass wir oft glauben, wir müssen dieses Bild der Perfektion vermitteln, dass wir glauben, wir müssten perfekt sein. Und natürlich, wenn man perfekt sein muss, dann darf man sich keine Fehler erlauben.
Da muss man immer den Schein wahren und muss sich vor das Team hinstellen und immer alles so drehen und wenden und biegen, damit der Schein aufrecht bleibt. Euer Team ist nicht blöd, ist nicht blöd. Ihr könnt niemanden hinters Licht führen.
Ihr glaubt, ihr Parkour, habt eine gute Show abgeliefert und alle haben euch aus der Hand gefressen. Gebitte, die kriegen alles mit. Im Gegenteil, es ist entblößend, wenn ihr eine Show abzieht. Was von Unternehmerinnen und Unternehmern verlangt ist, ist sich mit Courage und Ehrlichkeit hinzustellen und OK, wir haben Fehler gemacht.
Auch ich mach Fehler, so wie ihr im Übrigen auch. Ich bin nicht perfekt, Ihr seid es nicht. Wir sind offenbar also in guter Gesellschaft. Gut, dass wir da beieinander sind, weil Es wäre blöd, wenn einer von uns perfekt wäre, dann wäre das ja ein ungleiches Match.
Aber wir sind alle imperfekt und deswegen müsst ihr auch mir als Chef Fehler zutrauen. Und ich muss ja als Chef dann ohnehin damit leben, dass ich mich vor euch hinstellen muss und ihr mich zur Verantwortung zieht, dass ihr mir vielleicht dann weniger vertrauen werdet. Also die Last, die auf dem Rücken der Unternehmerinnen und Unternehmer liegt, die ist ja ohnehin da. Und ich habe das unlängst auch einem CEO geraten, der einen großen Transformationsprozess gerade initiiert hat. Ich hab ihm geraten, stellen Sie sich hin vor Ihr Team und meine Aufgabe als CEO ist es, die Richtungsentscheidungen zu treffen, dass wir in zehn Jahren noch erfolgreich sind und Sie werden mich in zehn Jahren daran messen können.
Beurteilen Sie mich nicht heute, ob Ihnen die Veränderung gefällt oder nicht gefällt. Es ist kein Schönheitswettbewerb, es ist auch kein Beliebtheitswettbewerb. Sie werden mich in zehn Jahren beurteilen, in zehn Jahren können, Sie hat sich für mich verbessert oder verschlechtert.
Und wenn Sie sagen, es hat sich verschlechtert, dann werde ich mich der Konfrontation wohl stellen müssen. Also es steht ja ohnehin auch dein Ruf als Unternehmerin, als Unternehmer am Spiel. Aber das Leben ist weitaus einfacher, wenn du nicht versuchst, dich hinter einer Wand von Perfektion zu verstecken und dich in der Folge einfach dafür entscheidest, Klarheit walten zu lassen, schonungslose Ehrlichkeit walten zu lassen und vor allem wirklich jedes Bild der Imperfektion im Keim zu ersticken, weil es einfach das ist, was dich auf eine falsche Fährte führt.
Da musst du tarnen und täuschen. Und das ist genau das, was man von Chefs nicht will. Man will, dass Chefs echt sind, angreifbar sind, dass sie kraftvoll und entschlossene Entscheidungen vertreten, überhaupt keine Frage, aber dass sie gleichzeitig auch nicht sich als allwissend präsentieren, wie oft ich vor meinem Team stehe und Freund, ich habe keine Ahnung. Ich weiß genauso wenig wie ihr. Ich habe etwas mehr Informationen zur Verfügung und ich hab vielleicht auch mehr Erfahrung als ihr, aber wissen tue ich bitte nichts. Es wird sich später herausstellen, ob die Entscheidung richtig war, Aber es ist meine Verantwortung, sie zu treffen.
Und ich kann euch als Team nur darum bitten und auch von euch erwarten, dass ihr mit mir mitgeht, dass ihr mir das Vertrauen schenkt, Ihr werdet es mir am Ende des Tages messen. Also diese Courage an den Tag zu legen, das ist was, das ich mir von Unternehmerinnen und Unternehmern wünsche. Das ist was, was ich mir von dir wünsche.
Und dass du einfach kraftvoll die Antwort gibst auf die Wie viel Klarheit ist dem Menschen zumutbar? Jede Klarheit ist den Menschen zumutbar. Wenn sie auf einer Kultur der Wertschätzung basiert, einer Kultur des auch positiven Miteinanders, wo man sich auch wirklich Wahrheiten aussprechen kann, dann kann dir nichts passieren.
Angreifbar ist nur derjenige, der ein Bild der Perfektion vorgaukelt. Wer es über seine eigene Imperfektion definiert, ist auch nicht angreifbar. Mir kann keiner was vormachen, wenn zu mir jemand kommt und Hey, bitte Philipp, du hast auch keine Ahnung, sage ich ja absolut.
Habe nie behauptet, dass ich eine habe. Ich hab nur gesagt, ich hab mehr Erfahrung und ich bin der Chef und ich muss die Entscheidung treffen und ich tue das nach bestem Wissen und Gewissen. Aber ich habe doch nie gesagt, ich weiß alles und ich werde dann auch nicht müde, auch mein Team daran zu erinnern zu sagen. Aber ihr wisst auch nicht alles.
Ihr wünscht euch auch, wenn ihr dann einen Fehler macht, dass ich sage naja, OK, du wirst es lernen, also wird das ja wohl mir auch zugestanden sein. Verabschieden wir uns also von diesem Bild. Verabschieden wir uns von dem Bild, perfekt sein zu müssen und verabschieden wir uns damit auch von dem Bild, dass wir nicht ehrlich unserem Team gegenübertreten können, Klarheit walten lassen können, schonungslose Ehrlichkeit walten lassen können. Genau das ist das, was Teams wollen, Das, was dich als Führungspersönlichkeit auch stark macht. Genau dazu will ich dich ermutigen und freue mich, wenn du aus der Erfolge was mitnimmst, einen Kraftschub mitnimmst, dich vielleicht heute vor dein Team hinstellst und Freunde, ich wollte mit euch schon lange über eine Sache reden.
Ich muss das sagen. So schaue ich auf die Dinge drauf, so werden sich die Dinge entwickeln. Weiß ich es genau und hundertprozentig, dass das aufgeht?
Nein, will ich, dass ihr mir vertraut. Ja, und jetzt go for it, ab die Post. Also wenn du den Mut rausnimmst aus der Folge, dann ist mir heute was gelungen und ich kann zufrieden ins Bett gehen und freue mich sehr, wenn du dann nächste Woche wieder dabei bist bei einer neuen Folge von Business Gladiators Unplugged. Danke fürs Zuhören, alles Liebe, bye bye.